Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Am Markt
Foto: Stefan Grau
Das Doktorhaus
Vogelschießen 1932

Am Markt

Wahrscheinlich kann sich heute niemand mehr so richtig vorstellen, wie wichtig der Marktplatz für das Dorf in all den früheren Jahrhunderten gewesen ist. Neben den Wochenmärkten fanden hier im Frühjahr und Herbst die großen Jahrmärkte statt. Sie waren alles in einem: Viehmarkt, Musik-, Tanz-, und Heiratsmarkt, Zirkus und Schausteller-Markt, Informationsbörse für die Kommunikation zwischen den Dörfern und manches mehr.

Trittaus Markt lag am nördlichen Rand des Ortes, zwischen den letzten Häusern des alten Trittau rund um die Kirche und dem Friedhof, dort, wo sich heute nur noch ein gepflegter Rasenplatz mit Bäumen befindet und lediglich der Straßenname "Am Markt" an dessen frühere Funktion erinnert. Die Straße "Am Markt" umfasste früher auch Teile der heutigen Straße "Alter Markt", deren Beschreibung Sie ebenfalls hier finde.
Die Straße hat nur wenige Häuser. Das älteste Haus ist das Ärztehaus, dessen weißer Fassade man nicht ansieht, dass dahinter ein 200 Jahre alter Hauskern steckt. Dr. Boysen, Dr. Binder, Dr. Strumpf, Herr und Frau Dr. Leberfinger und Frau Dr. Shakeri, das sind die letzten 100 Jahre der aufeinander folgenden Ärzte und Ärztinnen in diesem Haus.
Die Straße beginnt an der Bahnhofstraße und schlängelt sich in einem charakteristischen Bogen um den Friedhof herum bis zur Hirschbrücke. An dem zur Aue (Mühlenbach) gelegenen Straßenabschnitt gibt es einige uralte, riesige Eichen zu bewundern, die direkt im Abhang des Friedhofes wurzeln. Noch auf der Karte von 1888 kann man sehen, dass es nördlich des letzten Hauses der Waldstraße, dort, wo das tiefere Flusstal beginnt, einen Weg mit Brücke über die Aue zum jenseitigen Hochplateau gegeben hat. Davon ist nichts mehr erhalten.

Frau Dr. Hannelore Leberfinger, geboren 1921 als Tochter von Dr. Strumpf im Ärztehaus erinnert sich an ihre Kinderjahre:

"Auf dem Marktplatz in Trittau, an dem wir wohnten, fand zweimal im Jahr ein Jahrmarkt mit Buden und Karussels statt. Im Herbst gab es sogar einen Viehmarkt. Wir Kinder waren immer sehr aufgeregt, wenn die Schaustellerwagen eintrafen. Wir verfolgten besonders den Aufbau der Fahrgeschäfte. Als wir Schulkinder waren, bemühten wir uns, etwas Nützliches zu machen, wofür wir manchmal Freikarten bekamen. Hin und wieder lieh meine Mutter einen Tisch aus, oder sie erlaubte den Stromanschluss.
In den frühen 20er Jahren lagerten Zigeuner am Ende des Marktplatzes, vor denen ich große Angst hatte. Man hatte mir gedroht, sie würden kleine Kinder mitnehmen. Hinter dem Rücken meiner großen Schwester ließ ich mir aber nichts entgehen. Ihre Wagen, ihre Pferde und ihre fremde Sprache interessierten mich sehr. Sie kamen auch häufig zu meinem Vater in die Sprechstunde und holten sich Rat. Einmal musste mein Vater sogar mit in einen Wagen der Zigeuner, wo er eine junge kranke Frau behandelte, natürlich ohne Entgelt. Nach ein bis zwei Jahren erschien ein Zigeuner in der Sprechstunde und legte meinem Vater ein Goldstück auf den Schreibtisch als Dank für die erfolgreiche Behandlung. Mein Vater wollte es nicht nehmen, da war der Mann beleidigt. Zigeuner klauten eben nicht nur, sie konnten auch sehr dankbar sein."

Auf dem alten Marktplatz befindet sich ein Gedankstein zur Erinnerung an die vielen Flüchtlinge aus Pommern, die 1945 nach Trittau kamen. 1977 hat die Gemeinde Trittau diesen Gedenkstein hier aufgestellt, und die Pommersche Landsmannschaft hat zu ihrem 25jährigen Bestehen in Trittau eine "Pommerneiche" neben den Stein gepflanzt. Von 1977 bis zum Dezember 2008 befand sich hier auch ein Gedenkstein mit der Losung der schleswig-holsteinische Erhebung von 1848 "Up ewig ungedeelt". Dieser Gedenkstein stand von seiner Errichtung im Jahre 1898 bis 1977 an der Trittauer Kirche und wurde 2008 an seinen ursprünglichen Platz zurückgebracht, nachdem eine Doppeleiche, das Symbol für die Zusammengehörigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein dort neu gepflanzt worden ist.

Autor:
Ralph Droege(†)