Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


Könnten Sie noch etwas zur "Bebelstraße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.

Einfahrt Kieler Straße
Foto: Stefan Grau
Bebelstraße
Foto: Stefan Grau
Ehemaliges "Beamtenhaus"
für Kreisbahnbedienstete

Bebelstraße

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Norden Trittaus noch recht dürftig besiedelt. Dies änderte sich mit dem Beschluss des Stormarner Kreistages, eine Kleinbahn von Trittau nach Tiefstaak zu bauen. Die Südstormarnsche Kreisbahn wurde 1907 in Betrieb genommen. In Trittau wurden dafür ein weiterer Bahnhof, ein Lokomotivschuppen und weitere Anlagen im Norden des Dorfes gebaut. Diese Maßnahmen machte gleichzeitig die Schaffung von Wohnraum für die zukünftigen Beschäftigten der Bahn notwendig. So wurde auch das sogenannte Beamtenhaus in der Kieler Straße gebaut. Es bestand aus vier Wohneinheiten, gebaut mit Hofraum, Stallungen für Kleinvieh, Waschküche und Gärten.

Parallel zu dieser Wohneinheit wurde eine Straße mit einer Breite von sechs und einer Länge von 100 Metern geschaffen: die heutige Bebelstraße. Zunächst war sie eine mit Schlacke aufgefüllte Stichstraße, die regelmäßig zu den Herbst- und Wintermonaten von Schlaglöchern gesäumt war. Am Ende der kurzen Straße verlief ein in etwa gleich breiter Weg südlich bis zur Lütjenseer Straße, ein Privatweg.
Im Jahr 1939 standen in dieser Straße 14 Wohnhäuser. Hier wohnten zunächst vor allem Fahrpersonal der Kreisbahn, Lokführer und Heizer der Lokomotiven, die ihren Einsatz in Trittau hatten. Später am Ende der 1920er Jahre nach der Einführung des Autobusbetriebes der Kreisbahn kamen Busfahrer und Schaffner hinzu.
Meines Wissens waren insgesamt fünf Häuser bzw. Grundstücke in Besitz von Eisenbahnern. So z.B. auch das Haus, das Arbeiter Wilhelm F. am 12. Dezember 1912 vom Hamburger Schiffsingenieur Paul M. für 4.200 Mark erworben hatte. Da der Arbeiter F. in bescheidenen Verhältnissen lebte und die Lebensumstände alles andere als gut waren, denn das Einkommen eines Arbeiters bei der Kreisbahn war nicht überdurchschnittlich, kam F. zu Lebzeiten in Zahlungsschwierigkeiten. Im Februar 1926 wurde die im Grundbuch eingetragene Schuld in Goldmark umgewandelt. Von der ursprünglichen Summe von 2.200 Mark waren jetzt 1.200 Mark zu zahlen. Bis 1944 wurde über das Grundstück verhandelt.

Die ursprünglichen Grundstücksgrenzen in dieser Straße verliefen bis in die Straßenmitte, und damit war die Straße Eigentum der Anlieger. Im Jahr 1953 wurde deswegen ein Grundstücksüberlassungsvertrag zwischen den Anliegern der Bebelstraße und der Gemeinde ausgehandelt. Darin wurden der Gemeinde die einzelnen Straßenteile zu Eigentum übertragen. Gleichzeitig übernahm die Gemeinde die öffentlichen Lasten sowie die Unterhaltungspflicht für die Straße, ohne dass die Anlieger jemals zur Zahlung von Straßenausbaukosten verpflichtet sind. Diese Tatsache kommt den Anliegern der Bebelstraße heute noch zugute.
Es folgte die Verlängerung der Bebelstraße hinein in ein neues Bebauungsgebiet für Neubürger im Westen und die bauliche Verdichtung des Gebietes zwischen Lütjenseer Straße und Bebelstraße.

Umbenennung in Ringstraße

Im Haus mit der Nummer 10 der Bebelstraße lebte das Ehepaar Stadtländer. Hier verbrachte der Ehrenvorsitzende des SPD-Ortsvereins, H. Dühring, den Lebensabend bei seiner Tochter. Am 12. Februar 1950 verstarb er im 89. Lebensjahr. Es wird vermutet, dass er es war, der sich dafür einsetzte, dass die Straße nach dem Sozialdemokraten August Bebel benannt wurde. Den Namen Bebelstraße hat sie wahrscheinlich in den 1920er Jahren zur Zeit der Weimarer Republik erhalten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Straße, die ja nach einem politischen Gegner benannt war, dann kurzerhand in Ringstraße umbenannt. Von 1933-1946 trug sie diesen Namen. Nach 1945 setzte sich mein Vater Josef Vogel, der nicht nur Anwohner, sondern auch Gemeindevertreter für die SPD war, dafür ein, dass die Umbenennung durch die Nationalsozialisten wieder rückgängig gemacht wurde und die Straße wieder Bebelstraße hieß. Es dauerte einige Zeit, bis die Straßenschilder ausgetauscht wurden.

Bedeutende SPD-Männer und Gemeindepolitiker

Traditionell lebten in der Straße viele Sozialdemokraten. Auch nach 1945 waren es wieder Männer aus der Bebelstraße, die sich aktiv am Wiederaufbau und am Geschehen in der Gemeinde und im Kreis hervortaten. Das waren z.B. Anton Duschek, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, wohnhaft Bebelstraße / Ecke Kieler Straße, Josef Vogel, Gemeindevertreter der SPD vor 1933 und von 1945-1951 und langjähriger Betriebsratsvorsitzender der Südstormarnschen Kreisbahn, oder auch Hermann Röper, Gemeindevertreter von 1962-1966, oder in jüngster Zeit der SPD-Gemeindevertreter Rainer Winter und sein Sohn Christian, der Wählbarer Bürger für die SPD ist. Ich selbst bin auch langjähriges SPD-Mitglied, war Gemeindevertreter von 1972-1987, Kreistagsabgeordneter von 1992-2003, u.a. auch als stellvertretender Kreispräsident. Als Alterspräsident durfte ich am 24.4.1998 den Kreistag eröffnen.

Bebelstraße - erste Tempo-30-Zone in Trittau

Im Jahr 1967 bekamen die Anlieger der Bebelstraße Hausanschlüsse an die Schmutzwasserleitung, und 1969 wurde die Straße mit einer Schwarzteerdecke versehen. Damit war das Spielen auf der Straße für die Kinder endgültig vorbei, die Straße war zu einer Durchgangsstraße geworden, die stark von Autos frequentiert wurde.
Um das Jahr 1980 herum fühlten sich meine Tochter Bettina und ihre Freundin Brittau, damals 11 bzw. 10 Jahre alt, beim Gummi-Twistspielen vom schnellen Autoverkehr behindert. Für sich alleine beschlossen die beiden Kinder, in der Bebelstraße Unterschriften zu sammeln, um aus der Straße eine Spielstraße zu machen oder sie zumindest verkehrlich zu beruhigen. Mit einer großen Liste voller Unterschriften stiefelten die beiden zur Gemeindeverwaltung und sprachen bei Bürgermeister Schop vor. Dieser war so begeistert von der Eigeninitiative der zwei jungen Mädchen, dass er sie zunächst einmal zum Eisessen einlud. Dann setzte er seine Verwaltungsmaschinerie in Gang, und die Bebelstraße wurde auf eine Geschwindigkeit von 30 km/h begrenzt. Dies war die erste Tempo-30-Zone in Trittau überhaupt.

Autor:
Günter Vogel