Fakten

Gemeindestraße
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Bau/Benennung:


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Hier noch eine Anekdote die Straßenbenennung betreffend.

Carl-von-Ossietzky-Straße

In Deutschland, vor allem in Berlin, gibt es einige Schulen, die nach Carl von Ossietzky benannt sind. Es ist anzunehmen, dass die Jungen und Mädchen, die diese Schulen besuchen, über diesen Mann Bescheid wissen, denn dafür werden ihre Lehrer wohl sorgen. Wer sonst aber kennt den bedeutenden Publizisten, der für seine Arbeit den Friedensnobelpreis 1935 erhielt? Wer sonst außer beruflich interessierten Historikern und Politikern und wenigen anderen, die sich aus privatem Interesse mit Carl von Ossietzky befassen?
Als Nachfolger von Kurt Tucholsky leitete er ab 1927 die "Weltbühne", eine Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft, und er tat es auf eine links orientierte, demokratische Art und Weise so konsequent, dass zwangsläufig das Verbot durch die Nationalsozialisten nach deren Regierungsübernahme folgte. Er wandte sich gegen die Wiederaufrüstung und wurde 1931, also noch vor Hitler, wegen eines Artikels über die geheime Rüstung der Reichswehr zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf Hochverrat lautete die Anklage, die uns heute an einen Spiegel-Artikel von Conrad Ahlers mit dem Titel "Bedingt abwehrbereit" und die Spiegelaffäre von 1962 denken lässt.
Ossietzky wurde im Dezember 1932 aufgrund einer allgemeinen Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen, lehnte es aber ab, ins Ausland zu fliehen, als Hitler von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde. Die Folge waren seine Verhaftung in der Nacht des Reichstagbrandes am 28.2.1933, Misshandlung und Folter und Einlieferung in das KZ Sonnenburg bei Küstrin, von dem er 1934 in des KZ Papenburg im Emsland überführt wurde. Er erkrankte schwer an Tuberkulose, wurde 1936 in das Polizeikrankenhaus in Berlin verbracht und starb 1938 im Alter von 48 Jahren an dieser Krankheit und den Folgen der in den KZs erlittenen Misshandlungen.
Der 1889 in Hamburg geborene Carl von Ossietzky hat sich aus einem sehr einfachen Milieu emporgearbeitet: Mittelschule ohne Abschluss, Hilfsschreiber beim Hamburger Amtsgericht, dann mit noch nicht einmal 20 Jahren Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Er arbeitet für eine Zeitschrift und wird 1914 aufgrund eines Artikels wegen Beleidigung der Militärgerichtsbarkeit zu einer Geldstrafe verurteilt.
Im Ersten Weltkrieg überlebt er die Hölle von Verdun und schreibt fortan Artikel gegen die Fortsetzung des Krieges und dessen Verherrlichung in der öffentlichen Berichterstattung. Er ist überzeugter Pazifist und geht seinen Weg als Kämpfer gegen Aufrüstung und Krieg konsequent bis an sein Ende.
Nach der Novemberrevolution 1918 arbeitet er für den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat, wird dann Generalsekretär der Deutschen Friedensgesellschaft. Er tritt für ein ziviles, demokratisches Selbstbewusstsein der Deutschen als Grundlage für das Gelingen der Weimarer Republik ein. Zusammen mit Kurt Tucholsky organisiert er die Friedensbewegung "Nie wieder Krieg".
Vor allem für seine Veröffentlichungen in der "Weltbühne", sein Eintreten für die Demokratie und seine Leitartikel gegen die Aushöhlung der Verfassung wird Ossietzky 1936 rückwirkend der Friedensnobelpreis des Jahres 1935 zugesprochen. Zu der Zeit liegt er krank in Berlin, unter Polizeiaufsicht. Hitler genehmigt zwar die Annahme, nicht aber die Reise nach Oslo zur Entgegennahme des Preises. Vermutlich war dieses partielle Entgegenkommen darauf zurückzuführen, dass die Welt 1936 wegen der Olympischen Spiele nach Deutschland schaute und jeder nachteilige Eindruck vermieden werden sollte. Danach verbot Hitler allen Deutschen grundsätzlich die Annahme von Nobelpreisen.
Carl von Ossietzky hatte keinen Nutzen von der ihm aus Oslo gewordenen Ehre. Er starb als aufrechter Mann für seine Überzeugungen.

Autor:
Hermann Drews