Fakten

Gemeindestraße
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Bau/Benennung:


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Claudiusweg 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Claudiusweg

Der Claudiusweg in Trittau liegt im Südwesten des Ortes, nicht weit weg vom Ortsausgang nach Grande und ist 106 Meter lang. Der Claudiusweg wird geprägt durch eine Reihenhauszeile, bestehend aus 16 Einheiten, jede rund 4 Meter breit, und 4 Einzelhäusern. Zur Zeit (2009) leben im Claudiusweg 43 Personen.

In diesem Ortsbereich gibt es mehrere Straßen, die nach Heimatdichtern benannt worden sind, u.a. nach Friedrich Hebbel, Theodor Storm und Klaus Groth. Die Straßen, die nach Goethe und Schiller benannt worden sind, befinden sich in einem anderen Ortsteil, nördlich der Hamburger Straße.

Es gibt allerdings zwei Dichter mit dem Namen Claudius. Welcher war nun der Namensgeber für den Claudiusweg?

Neben dem bekannteren und bedeutenderen Dichter Matthias Claudius (* 15.8.1740 in Reinfeld, † 21.1.1815 in Hamburg) gab es auch noch den niederdeutschen Dichter Hermann Claudius, der im Nachbardorf Grönwohld wirkte (* 24.10.1878 in Langenfelde bei Altona, † 8.9.1980 in Hamburg). Hermann Claudius war ein Urenkel von Matthias Claudius und arbeitete von 1900 bis 1934 als Volksschullehrer. Nach seiner Frühpensionierung infolge eines Motorradunfalls, der allmählich zur Taubheit führte, war er freier Schriftsteller. Hermann Claudius starb im biblischen Alter von 101 Jahren in Grönwohld, wo es auch einen Hermann-Claudius-Weg gibt.
Als der Trittauer Claudiusweg seinen Namen bekam, lebte Hermann Claudius noch. Da man in Deutschland nur in seltenen Ausnahmefällen Straßen nach noch lebenden Persönlichkeiten benennt, war Hermann Claudius nicht der Namensgeber für den Trittauer Claudiusweg. Abgesehen von der Tatsache, daß man Hermann Claudius nach dem Krieg eine gewisse Nähe zum NS-Regime nachweisen konnte.

Das Gesamtwerk von Matthias Claudius umfaßt viele Gedichte, bekannte Lieder und kurze Prosastücke. Er versuchte u.a. protestantische Religiosität und aufklärerische Gedanken miteinander zu verbinden und als "Lebenshilfe" für die ländliche Bevölkerung aufzubereiten und zu präsentieren. Damit ist er ein wichtiger Vertreter der sog. Volksaufklärung. Einige seiner Gedichte haben darüber hinaus bis ins 20. Jahrhundert größte Bekanntheit gewonnen und werden heutzutage als "Volkslieder" verstanden (Der Mond ist aufgegangen ...).

Als Sohn aus einer alten nordddeutschen Pfarrerfamilie studierte Matthias Claudius Theologie, Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften in Jena. Er verließ die Universität jedoch ohne einen akademischen Abschluß und schlug sich in den folgenden Jahren als Sekretär, Verwaltungsbeamter und Redakteur, mehr schlecht als recht, vor allem in Hamburg durch.
Die von ihm geleitete Lokalzeitschrift "Der Wandsbeker Bote" (1771-1775) konnte zwar die prominentesten Autoren der damaligen Zeit (Goethe, Herder, Klopstock und Lessing) zu seinen Mitarbeitern zählen, war aber unternehmerisch ein Mißerfolg. Matthias Claudius übernahm den Titel der Zeitung als eine Art von Künstlernamen, als er nach 1777 in Hamburg-Wandsbek ein Auskommen für sich und seine inzwischen große Familie suchte. Dies gelang, in aller Bescheidenheit, durch den Rückhalt in Ehe und Familie und nicht zuletzt durch die Förderung von Freunden und Gönnern, etwa dem dänischen Kronprinzen Friedrich VI. (1768-1839), der ihm mit einer repräsentativen Stellung als Bankrevisor in Altona, welches damals noch zu Dänemark gehörte, ein festes Einkommen sicherte. Wie alle Zeitgenossen setzte er sich auch mit der Französischen Revolution auseinander. Er hatte aber auch im Alter noch Kontakt zur jungen Generation der Romantiker. Matthias Claudius starb 1815, erschöpft von einigen strapaziösen Reisen, zu denen ihn die Wirren der Befreiungskriege gezwungen hatten.

Autor:
Klaus Rohde