Fakten

Gemeindestraße
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Emil-Nolde-Straße

Siegfried Lenz schreibt in der "Deutschstunde", seinem wohl bekanntesten Roman, auch über Emil Noldes Leben in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs. Bei ihm heißt der Maler, der an der Nordseeküste nahe der dänischen Grenze lebt, Max Ludwig Nansen. Diese Romanfigur hat wie der echte Emil Nolde von den Nazis Malverbot erhalten. Er malt trotzdem heimlich kleine Formate mit Wasserfarben. Mit Ölfarben zu arbeiten, wagt er nicht. Deren Geruch könnte ihn bei möglichen Kontrollen verraten. So entstehen rund 1300 Bilder. Diese Sammlung von Aquarellen bezeichnet Emil Nolde später als seine ungemalten Bilder, von denen er nach 1945 einen kleinen Teil großformatig in Öl auf Leinwand überträgt.

Geboren wird er 1867 als Emil Hansen im nordschleswigschen Ort Nolde, nach dem er sich ab 1902 benennt. Er ist und bleibt bis zu seinem Tode dänischer Staatsbürger, was ihn aber genauso wenig wie seine Zugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig davor bewahrt, unter der braunen Herrschaft als "entarteter Künstler" geächtet zu werden. Auf die vielen Stationen näher einzugehen, die für Emil Noldes Lebensweg Bedeutung haben, verbietet die Kürze dieser Zusammenfassung. Nach vielen Aufenthalten als Lernender und Lehrender in deutschen Städten und europäischen Ländern arbeitet er ab 1901 vornehmlich in Berlin und ab 1927 in Seebüll nahe der dänischen Grenze. Dorthin, zur "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde", die nach seinem Tode 1956 errichtet wurde, unternimmt ein hiesiges Busunternehmen alljährlich Fahrten. Führungen bringen einem Leben und Werk des Künstlers näher.

1901 heiratete Emil Nolde die dänische Schauspielerin Ada Vilstrup, die mit ihm nach Berlin übersiedelte, dort an verschiedenen Bühnen arbeitete und zuweilen wesentlich zum Lebensunterhalt des Paares beitrug. Mit ihr blieb er bis zu ihrem Tode 1946 eng verbunden.
Er wurde für eine kurze Zeit Mitglied der Künstlervereinigung "Die Brücke", trat in die Berliner "Sezession" ein und trat auch wieder aus, dies zusammen mit anderen Expressionisten, und wurde schließlich 1931 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt schon nach Seebüll verlagert.

Emil Nolde war Expressionist im Sinne dieses Wortes. Sein Werk war "Ausdruck eines Wagnisses seiner ureigenen bildnerischen Schöpfung. Er vertraute dabei nicht der Kontrolle durch den Verstand, sondern der Kraft künstlerischer Intuition im spontanen Umgang mit Farben, denen er so ihr Geheimnis entlockte".
Dieses Zitat aus einem Katalog zu einer Nolde-Ausstellung des Jahres 1967 im Hamburger Kunstverein versteht man, wenn man vor seinen farbmächtigen Aquarellen und Ölgemälden steht, vor allem seinen Blumen-, Tier- und Landschaftsmotiven. Es war, wie er sagte, sein Wunsch, durch Farben Gebilde so zu schaffen, "wie unter den Strahlen der Sonne die Blume sich entfaltet und blühen muss".
Großen Einfluss auf Noldes Werk hat seine Reise nach Neuguinea 1913/14. Dort arbeitet er wie besessen, malt hunderte von Aquarellen. Er spricht vom gesteigerten Risiko des schöpferischen Moments, sagt, dass die Farben, vom Moment diktiert, über das Papier fließen. "Trieb und Spannung geben stärkere Resultate, als gemächliches, gemütliches Arbeiten es tun", schreibt er dazu in der Zeitschrift "Welt und Heimat". Er ist ein Expressionist reinsten Wassers oder, wie man wohl besser sagt, reinster Farbe.

Wo er sich niederlässt oder wo er auch nur längere Zeit mit seiner Frau Ada weilt, legen die beiden Gärten an, die zu ihnen gehören und immer wieder Motiv für sein Werk sind. Viele seiner Bilder zeigen den Garten in Seebüll, wo Emil Nolde bis zu seinem Tode lebt, ab 1948 mit seiner zweiten Frau Jolanthe. Die Wege durch den Garten zeichnen die Buchstaben A für Ada und E für Emil nach als bleibendes Zeichen für die beiden Eheleute, die 45 Jahre eng verbunden waren und diesen Garten aus dem "grünen, nackten Grasfeld um das Haus herum haben entstehen lassen, in gemeinsamer, harter Arbeit", wie Emil Nolde selbst gesagt hat.

Autor:
Hermann Drews