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Gemeindestraße
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Fehrsweg 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Fehrsweg

Johann Hinrich Fehrs war ein Dichter aus Schleswig-Holstein, der seine Werke überwiegend in seiner niederdeutschen Muttersprache verfasst hat. Auch wenn er heute nicht mehr so bekannt ist wie Klaus Groth oder Fritz Reuter, zählt er doch zu den großen Literaten, den Klassikern plattdeutschen Sprache. Wenn Groth der Lyriker ist und Reuter als der Romanschreiber gilt, so ist Fehrs der Novellenschreiber in der niederdeutschen Literatur. Die nach ihm benannte "Fehrs-Gilde" (www.fehrsgilde.de), hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, das Werk des Dichters lebendig zu erhalten und zum anderen die niederdeutsche Sprache generell zu fördern.

Fehrs, der Klaus Groth verehrte, aber, wie er selbst schreibt, nur eine lose Beziehung zu ihm hatte, lebte in dem Au-Tal, das durch Bramau und Stör gebildet wird. Auf die Welt gekommen ist er am 10.4.1838 in Mühlenbarbeck, einem Dorf zwischen Kellinghusen und Itzehoe. In Itzehoe hat Fehrs als Lehrer und Rektor einer privaten ("höheren") Mädchenschule seine Berufszeit und anschließenden Ruhestand verbracht. Dort ist er am 17.8.1916 gestorben und auch begraben.

Fehrs ist ein bodenständiger Mensch gewesen, und als solcher gewiss auch ein bewahrender. Als Sohn einer in Mühlenbarbeck ansässigen Bauernfamilie besucht er dort die einklassige Dorfschule und wird unterrichtet, wie zu den Zeiten auf dem Lande in ganz Schleswig-Holstein üblich, über Herbst, Winter und Frühjahr von einem mehr oder weniger pädagogisch begabten Lehrer. Über Sommer ist der Junge ohne Unterricht beim Kühehüten allein. Er selber sagt einmal, dass im Vergleich zu dem, was er auf der Schule erfahren hat, die Natur-Beobachtung nicht das schlechteste Teil seiner Bildung ausmacht.

Aus diesem Fundus hat Fehrs sein Leben lang geschöpft, hat nicht nur die kindliche Welterfahrung in seine Dichtungen einfließen lassen, er hat auch sein Heimatdorf Mühlenbarbeck, verfremdend Ilenbeck genannt, zum Schauplatz der meisten seiner Erzählungen gemacht.
Sein Vater, ein Kätner, der im Dorf und in der Umgegend als "Viehdoktor" galt, bestimmte, dass der Junge an Stelle seines 1849 gefallenen älteren Bruders sich zum Lehrer ausbilden lassen sollte. In Kellinghusen konfirmiert, begab er sich - wie damals üblich - in die Lehre zu einem Schulmeister, um dessen Handwerk zu erlernen. Nach einer relativ kurzen Lehrzeit bot sich dem 17-Jährigen Gelegenheit, in einem Nachbardorf eine Hilfslehrer-Stelle für ein halbes Jahr zu übernehmen. Anschließend bezog Fehrs die Präparandenanstalt in Altona und danach das Seminar in Eckernförde.

Diese Orte waren die Stätten, wo er mit Bildungsgütern im eigentlichen Sinne in Berührung kam. Hier lernte er Geschichte, Mathematik und Literatur kennen. Hier las er, gemeinsam mit Kollegen, deutsche Klassiker, vor allem auch Klaus Groth. Hier weitete sich sein Gesichtskreis und bildete sich seine nationale Identität als Schleswig-Holsteiner unter dänischer Herrschaft.

Es ist anzunehmen, dass für Johann Hinrich Fehrs in Altona und Eckernförde die Motivation für sein lebenslanges Bemühen um literarischen Ausdruck begann. Fehrs, der das Hochdeutsche erst auf der Schule lernte, veröffentlichte 1876 seine erste plattdeutsche Novelle, Lüttj Hinnerk, die sogleich ein Erfolg wurde. Ihr waren zwar (seit etwa 1870) ein paar hochdeutsche Prosastücke vorausgegangen, doch es folgten nach 1876 fast ausnahmslos niederdeutsche Erzählungen, insgesamt etwa 20.
Nachdem Fehrs rund 20 Jahre an seinem großen Roman Maren gearbeitet hatte, konnte dieser 1907 erscheinen und hatte 1910 bereits die dritte Auflage erreicht. Im Lexikon der Weltliteratur heißt es über Maren: "Dieser Roman ist nicht nur das bedeutendste Werk des Dichters, sondern eine der größten Leistungen der neuniederdeutschen Dichtung überhaupt."

Von den Dichtungen sind zur Zeit auf dem Markt:

  1. Johann Hinrich Fehrs: Sämtliche Werke in zeitlicher Reihenfolge, 6 Bd., 1986-1993
  2. De Heiloh. Vertellen un Gedichten (mit Illustrationen)
  3. Maren - Roman (mit Illustrationen
  4. Achter de Wicheln, ein Gedichtband mit eindrucksvollen Fotos.

Alle Wachholtz Verlag, Neumünster.

Wer sich mit Werken von Fehrs befasst, merkt rasch, was für ein Tiefgang, welche Ausdruckskraft, aber auch welche Feinfühligkeit im Plattdeutschen als Literatursprache steckt.

Autor:
Jochim Schop