Fakten

Gemeindestraße
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Hebbelstraße 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Hebbelstraße

Es lag nahe, nach diesem deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts eine Straße in Trittau zu benennen, denn Friedrich Hebbel war an Tatkraft und Durchsetzungsvermögen ein Schleswig-Holsteiner von echtem Schrot und Korn.

Geboren 1813 in Wesselburen als Sohn eines Tagelöhners, begann er seinen Weg mit vierzehn Jahren als Botenjunge und Schreiber für den Kirchspielvogt des Ortes. Er schöpfte aus dessen Bibliothek so viel Wissen, dass er es wagte, nach Hamburg zu wandern, um an einem der dortigen Gymnasien das Abitur zu machen.
Dies gelang ihm zwar nicht, doch sein Lerneifer und nicht zuletzt sein persönlicher Charme brachten ihm die Zuneigung einer in der Hansestadt bekannten Schriftstellerin, die ihm vielseitige Unterstützung verschaffte. So konnte er ab 1836 in Heidelberg und München Jura, Geschichte, Literatur und Philosophie studieren, was damals auch ohne Abitur, allerdings nur nach Bestehen strenger Zulassungsexamina möglich war.
1839 wanderte er auf Schusters Rappen zurück nach Hamburg, fand dort liebevolle Aufnahme bei einer offenbar wohlhabenden Putzmacherin und begann mit der Arbeit an seinen ersten Dramen. Die 1840 erfolgreich in Berlin uraufgeführte Tragödie "Judith" machte ihn sofort über einen engeren Kreis hinaus bekannt. In den Jahren 1842/43 weilte er in Kopenhagen und erhielt vom dänischen König ein zweijähriges Reisestipendium, das ihm bis 1845 den Aufenthalt in Paris und an verschiedenen Orten Italiens erlaubte. Er lernte in Wien die Burgschauspielerin Christine Enghaus kennen, heiratete sie 1845 und wurde in der Donaumetropole sesshaft. Zwar bremste dies nicht seine Reiselust - noch mehrfach hielt er sich danach in Weimar, Paris und London auf - doch arbeitete er vornehmlich in Wien, wo er 1863 als berühmter und hoch geehrter Dichter starb.

So weit in aller Kürze Hebbels Lebenslauf, aber weshalb kennen ihn viele Menschen noch heute? Eine Antwort auf diese Frage geben uns die diesjährigen Wormser Festspiele. Bei Dieter Wedels Inszenierung wird zu einem wesentlichen Teil auf Hebbels Trauerspiel "Die Nibelungen" zurückgegriffen. Ob wohl der Regisseur die Anregung dazu einem Schauspielführer von 1986 entnommen hat, in dem fast wörtlich zu lesen ist: "Seltsam, dass in unserer festspielfreudigen Zeit noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, anstelle mancher sich müde dahinschleppender Stücke auch Hebbels Nibelungen aufzuführen?"

Hebbel hat Novellen, Epigramme, kritische Aufsätze und viele schöne Gedichte geschrieben, aber sein Hauptwerk sind seine Dramen. Zwei Trauerspiele gehören auch heute noch zu den Programmen deutscher Bühnen.
"Gyges und sein Ring" von 1856 ergriff das Publikum schon damals und berührt uns noch heute, auch wenn der Realismus unserer Zeit uns bei dieser blutig endenden Tragödie in keinem Moment vergessen lässt, dass es sich um eine alte Sage handelt. Was unverändert auf uns wirkt, ist die Geschichte von Menschlichkeit, die hier erzählt wird, von Schönheit und Sitte, die unvermeidbar in die Katastrophe führen muss, weil der König von Lydien aus Eitelkeit die Grenze der Sittlichkeit überschreitet, er, der zuvor die Sitte als den Schlaf der Welt bezeichnet hat, ohne die es keine Ruhe der Seele gibt.
Wohl der Höhepunkt des bürgerlichen Trauerspiels überhaupt ist Hebbels "Maria Magdalene". Hier arbeitet der Dichter den tragischen Konflikt aufgrund der Charaktere der Handelnden so klar heraus, dass kein anderes Ende möglich ist als die Katastrophe. Der Zuschauer im Theater weiß, dass ihm auf der Bühne kein Märchen vorgespielt wird, sondern die gelebte Wahrheit. Von Anfang an kommt es in der erstarrten Enge dieser kleinbürgerlichen Welt nicht auf Menschlichkeit an, sondern auf "das, was man tut" oder "was man nicht tut". Als am Ende unausweichlich die Welt des Tischlermeisters Anton zusammenbricht, des Familienvaters, der sich für einen besonders charakterfesten Menschen hält, der aber selbst die Schuld am Unheil trägt, sind seine letzten Worte: "Ich verstehe die Welt nicht mehr."

Wie viele Menschen mögen wohl aus Verzweiflung oder Resignation auch heute dieselben Worte sagen, ohne in sich selbst nach den Gründen für ihre katastrophale Lage zu suchen?

Autor:
Hermann Drews