Fakten

Gemeindestraße
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Einfahrt von der
Bgm.-Hergenhan-Straße
Foto: Stefan Grau

Heinrich-Hertz-Straße

Im brasilianischen Regenwald traf ich vor Jahren zufällig einen Deutschen, einen Hamburger. Natürlich kamen wir uns in dieser außergewöhnlichen Umgebung schnell näher, und so erfuhr ich bald, dass er sein Abitur in unserer gemeinsamen Vaterstadt im Heinrich-Hertz-Gymnasium gemacht hatte. Die Gelegenheit, etwas über Heinrich Hertz zu erfahren, nahm ich, der ich nach der Schule meine ohnehin nur rudimentären Kenntnisse auf dem Gebiet der Physik sofort vergessen hatte, mit Interesse wahr, und mein neuer Bekannter, selbst Naturwissenschaftler, erzählte mir bereitwillig, was er wusste.
Ich erfuhr, dass der große Physiker 1857 ebenfalls in Hamburg geboren wurde und dass er bedeutende Erfindungen oder besser Entdeckungen auf dem Gebiet elektrischer Wellen gemacht hatte, ohne die es heute, grob gesagt, keine Computer gäbe, noch gröber ausgedrückt, auch kein Desy in Hamburg oder CERN in der Schweiz.
Natürlich war er zu seiner Zeit noch weit davon entfernt, an elektronische Rechner oder gar Teilchenbeschleuniger zu denken, aber als Entdecker der Wesensgleichheit von Lichtwellen und elektrischen Wellen war er einer der Wegbereiter all dessen, was wir heute an elektrotechnischen Hilfs- und Arbeitsmitteln täglich um uns haben. Auf seinen Erkenntnissen haben spätere Generationen von Physikern aufgebaut, Frauen und Männer mit Namen, die allesamt wie er auf dem Olymp ihrer Wissenschaft für immer einen Platz haben werden.
Heinrich Hertz entdeckte die nach ihm benannten hertzschen Wellen mit Längen von 0,1 mm bis zu einigen Kilometern und schuf damit eine der Grundlagen der Hochfrequenztechnik. Wenn wir heute im Radio die Wahl haben zwischen Programmen, die auf Ultrakurzwelle, Kurzwelle, Mittelwelle oder Langwelle ausgestrahlt werden, dann verdanken wir dies dem Hamburger Physiker, leicht schon daran zu erkennen, dass die genaue Sendeposition mit Werten in Hertz angegeben wird. Wem ist nicht der Begriff Kilohertz schon oft ans Ohr geklungen?
Heinrich Hertz wies nach, dass ultraviolettes Licht Einfluss auf elektrische Entladungen hat, was wiederum den zu gleicher Zeit forschenden Physiker Wilhelm Hallwachs auf die richtige Spur brachte. Er entdeckte durch Entladung einer negativ aufgeladenen Metallplatte bei UV-Bestrahlung den äußeren Fotoeffekt.
Bis zu diesem Punkt hatte ich, aufmerksam lauschend, meinem neuen Bekannten noch folgen können, aber für das Verständnis seiner weiteren Erklärungen fehlte mir die Grundlage. Ich kann an dieser Stelle jedem interessierten Leser nur raten, sich in Nachschlagewerken oder im Internet selbst weiter zu unterrichten.
Heinrich Hertz starb 1894, noch nicht siebenunddreißigjährig, in Bonn. Er war eine der herausragenden Größen der Physikerzunft und hat durch seine Forschungen und Entdeckungen unsere Zeit und auch die Zukunft weiterer Generationen entscheidend mitbestimmt. Seine Heimatstadt hält die Erinnerung an ihn mit dem Heinrich-Hertz-Gymnasium wach. Dass auch der Hamburger Fernsehturm offiziell Heinrich-Hertz-Turm heißt, ist weniger bekannt. Telemichel prägt sich ja auch besser ein und ist witziger, oder?

Autor:
Hermann Drews