Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Kaufmann Scharnberg
Kehrwieder um 1950
Foto: Wolfgang Hoffmann

Kehrwieder

Was für ein schöner Straßenname - und niemand weiß, wie er entstanden ist. In Hamburg gibt es im Hafen eine Kehrwiederspitze, die die Seeleute begrüßte, wenn sie nach langer und gefährlicher Zeit auf See in ihre Heimatstadt zurückkehrten. Aber daraus kann man nicht auf die Bedeutung des Trittauer Kehrwieders zwischen Bahnhofstraße und Bahndamm schließen.
Vor 1887, als es die Bahnlinie Schwarzenbek-Bad Oldesloe noch nicht gab und somit auch keinen Trittauer Bahnhof, gab es an der (späteren) Bahnhofstraße, etwas nördlich der Einmündung der Großenseer Straße, ein einsames Haus. Es war das einzige Haus zwischen Trittau (rund um die Kirche, 300 m nach Süden) und Grönwohld (Gasthaus Wulf, 1.500m nach Norden). Gebaut hatte es 1881 der Landwirt und Einzelhändler Johann Rudolph Scharnberg, der dort eine große Koppel besaß. Einen Weg oder Knick oder sonst etwas mit dem Namen Kehrwieder gab es noch nicht, wie die Karte von 1888 zeigt. Dieses einsame Haus (Bahnhofstraße 35) verkaufte Scharnberg später und baute sich 1899 ein größeres Haus mit Ladengeschäft ein Grundstück weiter nördlich. Zwischen diesen beiden Häusern zweigt heute die Straße Kehrwieder ab.

Scharnbergs Enkel, Rudolf Bielfeldt, der heute im östlichen Teil des Kehrwieders wohnt, erzählt:

Das erste Haus meines Großvater stand genau in der Ecke seiner Ackerfläche. Direkt südlich des Hauses, nach Trittau hin, war ein langer Knick quer rüber zur Bahn. Auch an der Bahnhofstraße selbst war ein Knick. Ein Einzelhändler-Bauer hinter den Knicks. Es gab so viele Scharnbergs in Trittau, dass man Spitznamen brauchte, um sie auseinander zu halten. So kam es, dass mein Großvater den Namen 'Knickhöker' erhielt.

Offensichtlich hatte der Knickhöker auch gut mit den staatlichen Stellen verhandelt, denen er ein Stück Scharnberg-Land für den Bahnbau gegen Entschädigung abtrat. Die Urkunde von 1885 hat Rudolf Bielfeldt in seinen Unterlagen.
In den 1890er Jahren, als sich Trittau dank der Eisenbahn und seiner vielen und guten Gaststätten einen Namen als Luftkurort und Ausflugsziel machte und die Trittauer sich langsam an den Gedanken gewöhnten, dass man in der elendig langen und einsamen Bahnhofstraße auch wohnen könnte, verkaufte Scharnberg weitere Bauparzellen an der Südkante seiner Ackerfläche, zwischen Bahnhofstraße und Katzenkuhle. Diese mussten mit Pferd und Wagen erreichbar sein, und so entstand der Feldweg namens Kehrwieder. Er war immer und ist bis heute eine Sackgasse, denn am Bahndamm ging es nicht weiter. Vielleicht war es dieses Wenden und Zurückfahren, das zu dem Namen führte.

Der Laden Scharnberg war ein echter Gemischtwarenladen. Bis 1994 haben Rudolf Bielfeldt, der ihn von seinem Onkel Wilhelm Scharnberg übernommen hatte, und seine Frau das Geschäft geführt. Dort bekam man Lebensmittel, Eisenwaren, Werkzeug, Gartengeräte, Sämereien, Holzpantoffeln, Glas, Porzellan usw. 1992 wurde der Kehrwieder, bis dahin eine Privatstraße, im Rahmen eines neuen Bebauungsplanes zur öffentlichen Straße. Er wurde gepflastert und neue Baugrundstücke an seiner Nordseite ausgewiesen. Auch eine Stichstraße mit gleichem Namen wurde nach Norden abgezweigt. Schöne Häuser wie die der Familien Wilke und Kiehn entstanden und so ist heute aus dem einsamen Weg zur Katzenkuhle eine der schönsten Trittauer Wohnstraßen geworden.

Autor:
Ralph Droege(†)