Martin-Luther Kirche Trittau Martin-Luther Kirche
Trittau 2011

Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Trittau um 1800
Dorothea Meins

Kirchenstraße

Der historische Ortskern von Trittau wird durch die Kirchenstraße geteilt. Von Süden kommend findet sich rechts der Straße die evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche mit den Pastoraten, links der Kirchenstraße (noch) eine Ansammlung von zum Teil historischen Bauernhäusern. Noch - weil es möglicherweise in 10 Jahren nicht mehr so aussehen wird, denn im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte sind schon etliche Bauernhäuser aus dem Zentrum Trittaus verschwunden.

Die Kirchenstraße dürfte wohl die älteste Straße Trittaus überhaupt sein. Die älteste uns heute bekannte Nachricht über eine Kirche in Trittau stammt nämlich vom 10. Februar 1239, und eine Kirche ohne Zuwegung ergibt wenig Sinn. Ob die Zuwegung von den Einwohnern damals auch schon Kirchenstraße genannt wurde? Wer weiß. Die Kirche selbst hat in den vergangenen Jahrhunderten etliche Veränderungen und Umbauten über sich ergehen lassen müssen. Wer sich dafür interessiert, kann Details auf der Homepage der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Trittau (www.kirche-trittau.de) im Abschnitt "Wissenswertes über Kirchspiel und Kirche" nachlesen.

Aber auch die Kirchenstraße selbst blieb von Veränderungen nicht verschont. Wussten Sie z.B., dass es bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts auf der Höhe des heutigen Straßenverlaufs einen kleinen Teich vor der Kirche gab, den so genannten Glockenpfuhl? Die Straße beschrieb einen Bogen um den Glockenpfuhl, wie auf dem Bild "Trittau um 1800" von Dorothea Meins zu erkennen ist. Um 1900 herum wurde der Glockenpfuhl zugeschüttet und die Kirchenstraße begradigt. Später wurde sie mit Blaubasalt gepflastert. Blaubasalt war für die damals noch häufig anzutreffenden Pferdefuhrwerke eigentlich gefährlich, denn schon bei leichtem Nieselregen konnten die Pferde auf dem Pflaster ausrutschen. Erst Ende der 1960er Jahre wurde der Basalt mit eine Teerdecke versehen. Im Jahre 2011 erhielt die Kirchenstraße fast direkt bei der Kirche eine Linksabbiegerspur für die neue Seitenstraße "Zum Riden", die in den nächsten Jahren auf die ehemaligen Hauskoppeln der Bauern weitergeführt werden soll.

Ein Gedenkstein mit der Inschrift "Up ewig ungedeelt" wurde im Jahr 1898, also 50 Jahre nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, vor der Kirche an der Kirchenstraße aufgestellt. Er sollte in Verbindung mit einer ebenfalls angepflanzten Doppeleiche deutlich machen, dass Schleswig und Holstein niemals getrennt werden dürfen. Im Jahre 1977 wurde der Stein von der Doppeleiche vor der Kirche getrennt und stand seither auf der Rasenfläche neben dem Eingang zum Friedhof. Im Herbst 2007 wurde auch der letzte Stamm der ursprünglichen Doppeleiche gefällt, weil er der geplanten neuen Straßenführung (s. oben) im Wege war. Mit der Pflanzung von zwei neuen Eichen vor der Kirche, die sich im Laufe der Zeit zu einer Doppeleiche vereinen sollen, und dem Umsetzen des Steinen nahe an seinen ursprünglichen Standort wurde im Jahr 2009 die Entscheidung von 1977, Stein und Eiche zu trennen, weitgehend korrigiert und die ursprüngliche historische Symbolik wieder hergestellt.

Die Kirchenstraße könnte uns viel erzählen über Not und Leid vergangener Jahrhunderte, aber auch über freudige Ereignisse, Jubiläen oder Umzüge, die auf ihr stattgefunden haben. Sie weiß, wer in der Kirche zu Trittau getraut wurde, wer dort getauft worden ist und auch, wer hier seine letzte Ruhe gefunden hat. Sie wird auch in 100 Jahren noch "die Kirchenstraße" sein. Lassen Sie uns hoffen, dass sie auch dann noch viel von ihrem heutigen historischen Charme behalten hat.

Autor:
Bruno Scharnberg