Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


Könnten Sie noch etwas zur "Lerchenstraße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.

Lerchenstraße 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Lerchenstraße

Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
(William Shakespeare, Romeo und Julia)

Ob es ausgerechnet das Drama von William Shakespeare war, das die Trittauer Gemeindevertreter 1958 dazu inspirierte, sich für die Lerche als Namenspate dieser kleinen Trittauer Wohnstraße zu entscheiden, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich lag der Namensgebung auch eher die Absicht zu Grunde, Vogelnamen zu verwenden: der sich direkt an die Lerchenstraße anschließende Finkenweg wurde im gleichen Atemzug benannt.

Es war der sozialdemokratische Altbürgermeister Ferdinand Rüffert höchstpersönlich, der in der Sitzung der Gemeindevertretung am 27. März 1958 beantragte, die Straße, "die von der Rausdorfer Straße in westlicher Richtung in die Hamburgerstraße einmündet", Lerchenstraße zu nennen. Lerchenstraße und Finkenweg waren zu diesem Zeitpunkt die ersten und einzigen Straßen in Trittau, für deren Name eine Vogelart Pate stand. In den 1970er Jahren versah man die neu gebauten und südlich an die Lerchenstraße grenzenden Straßen Amselweg und Meisenweg dann ebenfalls mit Vogelnamen, so dass hier ein kleines zusammenhängendes "Vogelgebiet" entstand.

Die Lerchenstraße mündet heute zwar auch noch in die Hamburger Straße, in ihrem letzten Teil jedoch nur noch als sandgebundener Fußweg. Stattdessen bildet der Straßenverlauf heute einen Verbund mit dem Finkenweg und geht in diesen über. Als Autofahrer erreicht man die Lerchenstraße deswegen entweder über die Rausdorfer Straße oder den Herrenruhmweg.
Errichtet wurde die Lerchenstraße auf der ehemalige Parzelle "Herrenruhm" des Trittauer Bauern Rudolf Scharnberg. Die Gemeinde kaufte das Land Anfang der 1950er Jahre und wies es als Bauland für Einfamilienhäuser aus. Die Bebauung, die so in der Lerchenstraße entstand, unterschied sich damit von den landwirtschaftlichen Nebenerwerbssiedlungen, die zu dieser Zeit noch häufig im Ortsbild zu finden waren.

In seiner Rückschau spricht der ehemalige Trittauer Bürgermeister und Ortschronist Otto Hergenhan von "schmucken Einfamilienhäusern", die in der Lerchenstraße entstanden. Auch wenn die Häuser nicht den typischen Charakter von Nebenerwerbssiedlungen hatten, waren die Gärten der Grundstücke aber doch noch so groß, dass man, wie noch in den 1950er Jahren üblich, einen großen Teil seines Nahrungsmittelbedarfs aus dem eigenen Garten decken konnte. Heute sind diese ehemals großen Grundstücke in der Lerchenstraße geteilt und in zweiter und dritter Reihe bebaut, so dass die Hausnummernerweiterungen b oder c hier häufig anzutreffen sind.

Was für ein Vogel stand nun Pate für die Lerchenstraße? Lerchen sind eine weltweit verbreitete Familie Boden bewohnender Singvögel, die baumarme Gelände bevorzugen. Die meisten Lerchen sind unauffällig gefärbt. Allgemein bekannt ist die sperlingsgroße Wiesen, Äcker und Ödland bewohnende Feldlerche. Waldränder, Waldblößen, sandige Heidegebiete und Viehweiden bewohnt die kleinere und gedrungenere Heidelerche. Die Lerche ist also ein Singvogel. Sie hat höchstens lautmalerisch etwas mit dem ähnlich geschriebenem Baum, der Lärche, etwas zu tun. Trotzdem findet sich in der Lerchenstraße eine auffällige Häufung von Lärchen, die dort so manches Grundstück beschatten. Ob das Zufall ist, oder hier eine kleine Verwechselung - ä mit e - zugrunde liegt, ist nicht bekannt.

Autor:
Oliver Mesch