Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Gastwirtschaft Heymann
um 1910
Gastwirtschaft Heymann
um 1940
Markttwiete
Foto: Stefan Grau

Markttwiete

Das plattdeutsche Wort "Twiete" weist immer auf eine Wegegabelung hin. Hier ist es die Gabelung der von Norden kommenden Bahnhofstraße von der Einmündung der Straße "Am Markt" bis zur Wiedervereinigung kurz vor der Trittauer Kirche.
Die Gabelung umschließt einen länglichen Platz, der heute Parkplatz für Holländer und Penny ist, auf dem bis 1968 aber eines der beiden alten Trittauer Schulgebäude stand. Auf diesem Platz stand ursprünglich eine Schule aus der Goethezeit, die 1867 abbrannte. Es ist unvorstellbar, wie schnell man damals handelte: Bereits 1868 wurde nicht nur hier ein neues Schulgebäude eingeweiht, sondern gleich noch ein zweites dazu, unten in Trittau-Vorburg, dort, wo heute der Edeka-Markt von Herrn Süllau steht. Zu den ersten Jahrgängen dieser neuen oberen Schule an der Markttwiete gehörte der Trittauer Junge Alfred Teves, der später ein großer deutscher Unternehmer der Automobil-Zulieferindustrie wurde (ATE-Bremse).

Allerdings hieß die Markttwiete damals ganz anders. Sie hieß "Heymanns Weg". Denn das herausragende Gebäude dieser Straße war "Heymann's Gasthof", der wichtigste Ort für die Feiern und Bälle der Trittauer Honoratioren. Viele alte Postkarten zeigen diesen weithin bekannten Gasthof. Seine Fassade an der Ecke zur Kirche hin ist, wenn auch beschädigt, noch erhalten. Wenn man heute von der Arztpraxis an den Schaufenstern des Möbelgeschäftes Ketzel und an Penny vorbei die Markttwiete entlanggeht, sollte man sich einmal ins Gedächtnis rufen, wie Frau Dr. Hannelore Leberfinger, die 1921 in dem Ärztehaus an der Ecke "Am Markt" geboren wurde, diesen Weg aus ihrer Kindheit erinnert:

"Der Praxiseingang befand sich um die Ecke am Heymannsweg. Ein idyllischer Fußweg, von Fliedersträuchen begrenzt. Am Ende dieses Weges befand sich Heymann's Gasthof, dessen Besitzer dieser Weg gehörte. Nur dem Leichenwagen war es erlaubt, da durchzufahren. Bedrückt und eingeschüchtert standen wir oft hinter unseren Büschen und bestaunten die schwarzen Pferde, geschmückt mit schwarzen Kordeln und Trotteln auf ihrem glänzenden Fell. Sie zogen einen ebenso dekorierten Kastenwagen, dem dann die Trauernden folgten. Manchmal ging auch eine Musikkapelle voran und spielte: 'Ich hatt' einen Kameraden'. Davon war wir natürlich besonders beeindruckt."

Vor dem Gasthof, zur Kirche hin, hatte Heymann einen großen Biergarten, mit schönem Blick auf die Kirche und die stattlichen Häuser der Familien Zingelmann und Harders. 1897 wurde hier ein Gedenkstein an den preußischen König und späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I. anlässlich dessen 100. Geburtstag aufgestellt. Trittau gehörte ja seit 1867 zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Der Gedenkstein ist noch dort zu sehen.

Autor:
Ralph Droege(†)