Fakten

Gemeindestraße
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Länge:
Bau/Benennung:


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Rosenstraße

Die Rose war schon in frühester Jugend meine Lieblingsblume, nicht weil ich sie für die Schönste unter den Blumen hielt, sondern weil sie besonders unter den romantischen Dichtern als Sinnbild für Liebe und jungfräuliche Schönheit und Reinheit stand. So werde ich nie die Stelle aus Goethes Gedicht "Mit einem gemalten Band" vergessen, an der es heißt:

... sieht mit Rosen sich umgeben,
selbst wie eine Rose jung.
Einen Blick, geliebtes Leben!
Und ich bin belohnt genung.

Wenn ich mich recht erinnere, himmelte der junge Goethe mit diesen Zeilen seine Friederike in Sesenheim an. Was mich aber noch mehr bezauberte, als ich im Alter von 17 oder 18 Jahren romantischen Schwärmereien anhing - welcher Junge gleichen Alters kann das heute noch verstehen? - war dieses Gedicht von Heinrich Heine:

Du bist wie eine Rose,
so hold und schön und rein;
ich schau dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt,
betend, dass Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.

So bewahrte ich über viele Jahrzehnte dieses Gedicht im Gedächtnis, bis ich jetzt bei Heine nachsah, ob mir vielleicht irgendein kleiner Fehler unterlaufen sei. Meine Enttäuschung war riesengroß, als ich die erste Zeile las. Da stand "Du bist wie eine Blume". Heine hat die Rose nicht einmal erwähnt, die zwar nicht allein wegen dieses Gedichts, aber vor allem seinetwegen zu meiner Lieblingsblume geworden ist.
Vielleicht ist die Einleitung zum Thema Rosenstraße etwas zu lang geworden, vielleicht auch zu persönlich, aber nur dadurch bin ich überhaupt auf den Gedanken gekommen, über sie zu schreiben. Dass meine romantische Bindung an die Rose auch dazu geführt hat, meine Augen für diese unglaublich schöne Blume mit ihrer nicht zu zählenden Vielzahl an Farben und Formen zu öffnen, sei nur nebenbei erwähnt. Dass eine der schönsten Rosen den Namen "Gloria Dei" führt, "Ruhm Gottes", ist bezeichnend.

Nun aber zum sachlicheren Teil meiner Beschreibung, endlich, wie die Anwohner sagen mögen. Ich habe mein Auto an der Ecke zur Rausdorfer Straße stehen gelassen und bin das kurze Stück bis zum Ende der Rosenstraße gegangen, vorbei an gepflegten Gärten und Einfamilienhäusern. Gleich am Anfang sah ich rechterhand hinter einem Gartenzaun ein paar Rosen, die jetzt im Frühling spärliches Grün zeigten. Damit fand ich die Begründung für den Namen der Straße aber erschöpft. Man hätte nun mit gleicher oder vielleicht größerer Berechtigung von der Hecken- oder Rhododendronstraße sprechen können. Meine Erwartungen auf der Suche nach meiner Lieblingsblume wurden nicht weiter erfüllt.
Von der Rosenstraße zweigen Iris-, Krokus-, Tulpen- und Nelkenweg ab. Erst als ich diese Namen las, wurde mir bewusst, dass ich mich in einem Blumenviertel bewegte. Ich hatte einfach zu viel Wert auf die Rose gelegt. Dass man hier die längste und wohl auch wichtigste Straße nach dieser Blume benannt hatte, entsprach ja sogar meinen Erwartungen.
So kam ich am Ende zu dem Schluss, dass die Rosenstraße ihren Namen zu Recht trägt. Ihre Anwohner leben in einem der ruhigsten und grünsten kleinen Gartenviertel in Trittau, wozu man ihnen nur gratulieren kann. Wenn es unter ihnen möglicherweise auch Menschen mit Verständnis für meine Schwäche für den Namen der Rose gibt, dann werden sie bestimmt noch ein kleines bisschen stolzer auf ihre Straße sein als zuvor, wobei man jetzt nicht an Umberto Ecco denken sollte, denn das wäre ein weiteres Thema für die Interessanteste der Blumen überhaupt.

Autor:
Hermann Drews