Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Zufahrt zum Sängerberg
Foto: Stefan Grau
De Sängerberg
Foto: Stefan Grau
Sängerberg - Tag des Liedes
Ralph Droege, Arno Surminski
Der Säengerhof auf dem Sängerberg
Trittauer Postkarte, etwa 1912
Säengerberg Scheune um 1908

Sängerberg

Trittaus Landschaft ist hügelig. Die Kräfte der letzten großen Eiszeit haben sie geformt. Endmoränen aus Sand und Kies, die sich gegen das Urstromtal der Elbe vorgeschoben haben, umspült und ausgewaschen von den Wassern des schmelzenden Eises. Und so gibt es denn drei Trittauer Straßen, die das Wort Berg in sich tragen: Ziegelberg, Kellerberg und den hier zu beschreibenden Sängerberg.

Den Namen Sängerberg trug ursprünglich nur die bewaldete Bergkuppe, die 55 m hoch und damit 25 m höher als die Kirchenstraße am Waldrand der Hahnheide das Hochplateau jenseits der Trittauer Aue überragt. Diesen Namen erhielt die Bergkuppe, seit der Trittauer Gesangsverein von 1843 hier seine sonntäglichen Gesangsdarbietungen und Liederfeste begann.
Das Hochplateau, eine in der dänisch-russischen Zeit Holsteins zum Amtshof Trittau gehörende Viehwiese, war damals noch nicht durch die erst 1887 gebaute Eisenbahntrasse Schwarzenbeck-Bad Oldesloe durchschnitten. So hatte man vom Sängerberg einen freien Blick über etwa 600 Meter Luftlinie auf die Bauernhöfe von Trittau, und bei günstigem Wind konnte man im Dorf die Lieder hören. Nach dem Bau der Eisenbahn sang der Gesangsverein an anderer Stelle, der Berg aber behielt seinen Namen.

1897 erwarb der Hamburger Versicherungskaufmann Max du Roi Droege den jenseits der Bahntrasse liegenden Teil des Hochplateaus mit einem kleinen Waldstück, das den Sängerberg einschloss. Auf dem höchsten Punkt des Plateaus, unmittelbar neben dem Berg, baute er in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg Scheune, Stall und zwei Wohnhäuser und nannte seinen Sommersitz Sängerhof. Als Zufahrt von der Hirschbrücke baute er eine Privatstraße, die vom Auetal in sanft geschwungenem Bogen auf das Plateau und an der Bahntrasse entlang zum Hof führte. Diese Straße hatte 70 Jahre lang keinen Namen. Erst Ende der 1970er Jahre erhielt sie ihre heutige offizielle Straßenbezeichnung Sängerberg. Sie ist noch immer eine unbefestigte Privatstraße, freigegeben für den öffentlichen Verkehr. Um 1980 erinnerte sich der Bruder des alten Trittauer Schlachters Harders, dass er und seine Freunde als Jungen für Max Droege Steine für den Bau dieser Straße geschleppt haben, um sich damit etwas Taschengeld zu verdienen. Wie solide der Unterbau der Straße Sängerberg geraten ist, erstaunt noch heute, wenn 20-Tonner problemlos diesen Weg aus der Pferdewagenzeit befahren (siehe: Die Geschichte des Sängerbergs, in: Geschichte und Geschichten. Beiträge zur Trittauer und Stormarner Region, Trittau 2003, S. 85).

Das Hochplateau, durch das diese Straße führt, trägt die alte Katasterbezeichnung "Lütjendorf". Fachleute vermuten, dass hier einmal das mittelalterliche Klein-Trittau mit einer slawischen Bevölkerung existiert hat. Der Ort ist irgendwann, vermutlich vor 500 Jahren oder im 30jährigen Krieg untergegangen. Bisher wurden keine Spuren gefunden, und die Frage, wo Klein-Trittau oder Lütjendorf gelegen haben, bleibt spannend und harrt der weiteren Forschung.
Heute, im Jahr 2008, lebt der Urenkel des Erbauers Ralph du Roi Droege mit seiner Familie auf dem Hof am Sängerberg. Außerdem wohnen dort die Familien Hunger und Peper. Der zweifache deutsche Meister im Pony-Zweispänner Stefan Koch hat hier sein Fahr- und Trainingszentrum. Immer mehr Trittauer lernen diesen wunderschönen Teil der Trittauer Landschaft kennen, weil sie in dem von Michaela Droege betriebenen Gästehaus am Sängerberg ihre Gäste unterbringen oder in Max Droege's alter Scheune, der heutigen Feierscheune, ihre Geburtstage und Hochzeiten feiern.

Im Sommer 1989 gab es anlässlich runder Geburtstage ein großes Fest der Familie Droege am Sängerberg. Ein guter Freund der Familie, Rudi Schröder, Inhaber einer Fabrik für Wurstwaren in Trittau, schenkte ein Ständchen des Trittauer Gesangsvereins von 1843. Die Sänger hinterließen einen so großen Eindruck, dass spontan beschlossen wurde, die alte Tradition der Sängerfeste wieder aufzunehmen. 1990, im Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands, gab es den ersten Tag des Liedes auf dem Sängerberg mit 400 Besuchern, und 2009 wird es bereits zum 20jährigen Jubiläumssingen kommen.

Autor:
Ralph Droege(†)