Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Bauernhof Scharnberg 1954
Bauernhof Scharnberg 2014
Foto: Bruno Scharnberg

Scharnbergstieg

Die Straßen im Gebiet "Furtbektal" tragen Namen (Bestmannweg, Hardersweg, Rosenaustieg, Scharnbergstieg, Steenfadtberg), die alle auf alte Bauerngeschlechter hinweisen, die früher und auch heute noch zum Teil im Ort, zum Teil außerhalb existieren (Steenfadt = heute Zingelmann). Deshalb ist es angebracht, an dieser Stelle einmal etwas über die Familien selbst zu berichten. Da ich vom Bauernhof Scharnberg abstamme und mich darüber hinaus aktiv mit Ahnenforschung beschäftige, fällt es mir natürlich leicht, hier einmal den Bauern Scharnberg vorzustellen.

Bis 1693 kann ich unsere Vorfahren urkundlich belegt hier in Trittau zurückverfolgen. Um 1691/92 kaufte Henrich Scharpenbarg die Bödnerstelle vom alten Jürgen Reiß ( 31.07.1699 in Trittau im Alter von 79 Jahren). Die Kate stand bei der Apotheke (Rausdorfer Strasse, in der Nähe der Einmündung in die Kirchenstrassse). Sie wurde auch die Spielmannskate genannt. Sein Enkel Frantz Hinrich Scharenberg kaufte um 1773 die Heidbauernstelle (heute Rausdorfer Straße, kurz hinter dem Stahlbaubetrieb Schlösser gelegen) und war dort fortan Posthalter und Zollpächter. Hier war damals noch überwiegend Wald- und Heidegebiet. Er war Musiker, Zolleinnehmer und ab 1768 auch Kirchenjurat. Die Musikalität hat sich übrigens bis in die heutige Zeit bei einigen seiner Nachkommen erhalten. Sein Sohn Hans Claus heiratete am 17.10.1784 in der Kirche zu Trittau Anna Meins, die Tochter von Frantz Meins, der den Bauernhof am Glockenpfuhl besaß, direkt gegenüber der Kirche. Seit dieser Zeit ist der Hof über etliche Generationen hinweg bis heute immer an männliche Scharnberg Nachkommen vererbt worden. Wir bezeichnen ihn deshalb wohl zu Recht als den Stammsitz der Scharnbergs.

Denn es gab noch mehr Scharnbergs in Trittau. Zu der Zeit war es üblich, dass Familien 5 - 10 Kinder hatten, die die Eltern im Alter zu versogen hatten. Der älteste Sohn, Frantz Hinrich, genannt der "Rotkopp", übernahm natürlich den Bauernhof am Glockenpfuhl gegenüber der Kirche. Der zweitälteste Sohn, Friedrich, wurde der Hörnbauer genannt. Sein Hof lag östlich der Kirche, die Straße heißt heute "Am Markt", und wurde am 02.09.1727 gerichtet. Der dritte Sohn starb noch als Kind. Der vierte Sohn Johann, genannt "de lis" (der Leise), heiratete 1818 Elisabeth Rosenau und wurde Scharnberg am Damm (gegenüber der Meierei, 2014 der Hof Grunwald). Eine weitere Linie der Scharnbergs, Stammvater war Frantz Hinrich, waren Rademacher. Sie stellten hölzerne Räder mit Eisenbeschlag für die Pferdefuhrwerke her. Die Werkstatt war im Süden Trittaus, etwa dort, wo 2014 der Discounter Aldi steht. Als das Rademacherhandwerk aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung immer schwieriger wurde, sind etliche Scharnbergs ca. 1850 nach Brasilien ausgewandert und haben dort sehr erfolgreich Fuß gefaßt. Von den ausgewanderten Scharnbergs haben inzwischen 3 Familien schon einmal Trittau besucht, um zu sehen, wo ihre Vorfahren gelebt haben.

Schauen wir noch weiter in die Vergangenheit zurück, dann fällt auf, dass es im Mittelalter die Ritter von Scharpenberg gab. Ihre Burg war in Linau, keine 10 km von Trittau entfernt. Immer wieder hörte ich von dem Gerücht, dass die Scharnbergs hier in der Gegend wohl von den Linauer Rittern abstammen. Über die Ritter von Scharpenberg konnte ich urkundliche Erwähnungen von ca. 1230 - 1470 finden. Im Mittelalter hatten sie rund um ihre Stammburg Linau ca. 6 Dörfer zum Lehen. Das Gut Seedorf, Gut Niendorf a.d. Stecknitz und auch die Grander Mühle gehörten zeitweise den Scharpenbergs. Als Herzog Erich II. von Sachsen-Lauenburg (* 1472; 20. Oktober 1522) 1508 zum Bischof von Münster gewählt wurde, folgten ihm die Brüder Hans und Ludger von Scharpenberg aus Niendorf a.d. Stecknitz und bildeten im Emsland eine weitere Linie der Scharpenbergs. Die 1000jährige Linde auf der Scharpenburg in Heede zeugt noch heute von ihrem Wirken. Ihre letzten Güter wurden erst 1956 an die Hannoversche Landgesellschaft verkauft. Eine urkundlich belegte Abstammung der heutigen Scharnbergs von den Rittern von Scharpenberg konnte ich leider bisher nicht nachweisen.

Autor:
Bruno Scharnberg