Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Schwester-Emmi-Weg
Foto: Sabine Paap
Straßenschild
Schwester-Emmi-Weg
Foto: Sabine Paap

Schwester-Emmi-Weg

Am 15.07.2014 erhielt der Schwester-Emmi-Weg von unserem damals designiertem Bürgermeister Oliver Mesch seinen Namen. Es folgt seine Laudatio:

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zu diesem freudigen Ereignis,

meine sehr verehrten Damen und Herren,
Herr stellvertretender Bürgermeister Lange,

und ganz besonders herzlich begrüße ich Frau Bork und Herrn Stephani, die Nichte und der Neffe unser Schwester Emmi, die extra für heute nach Trittau gekommen sind.

Heute also benennen wir die Straße nach unserer ehemaligen Gemeindeschwester Emmie Stephani.

Der Vorschlag, eine Straße nach Schwester Emmi zu benennen, geht auf den hier ebenfalls anwesenden Trittauer Bürger Herrn von Hartz zurück. Als engagierter Bürger hatte sich Herr von Hartz Gedanken gemacht und der Gemeindevertretung eine Liste mit Trittauer Namen gegeben, die allesamt würdig sind, mit einem Straßennamen bedacht zu werden.
Darunter befand sich auch der unserer ehemaligen Gemeindeschwester Emilie Stephani. Das ganze wurde im vergangenen Jahr im Bauausschuss debattiert, der sich auch schnell für diesen Vorschlag entscheiden konnte. Doch dann fragte man sich: wie soll man die Straße denn genau nennen: Gemeindeschwester-Stephani-Weg? Oder gar: Emilie-Karoline-Stephani-Straße - so, wie sie vollständig hieß? Und viel wichtiger für die Beschlussfassung: wie schreibt man den bzw. die Namen überhaupt genau?
Zum Glück warf Herr von Hartz dann ein, die Straße doch einfach "Schwester-Emmi-Weg" zu nennen - so, wie man sie hier in Trittau kannte - und so, wie man dieser wunderbaren Persönlichkeit, die Schwester Emmi war, auch am besten charakterisiert: unprätentiös, gerade heraus - als "Schwester Emmi" nämlich.

Schwester Emmi war ein besonderer Mensch. Sie gehörte zu Trittau wie Poststraße und Schützenplatz. Und Schwester Emmi hat bleibende Eindrücke bei den Menschen hinterlassen, mit denen sie im Laufe Ihrer 37jährigen Tätigkeit in Trittau und auch nach ihrer Pensionierung zu tun hatte. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Kranken, die sie zu betreuen hatte - und überhaupt für andere Menschen, und Dinge, die sie für wichtig erachtete - machte sie in Trittau bekannt und populär. Dabei hatte sie immer eine fürsorgliche und vor allem humorvolle Art, die ihr viele Freunde in Trittau schaffte.

Wer war Schwester Emmi?

Geboren wurde sie am 26.03.1917 in Rüstringen bei Wilhelmshaven, wuchs aber mit ihrer Familie in der Nähe von Bonn auf. Auf dem Lyceum Klostermann ging sie zur Schule, die sie mit dem sogenannten "Einjährigen", der Mittleren Reife abschloss. Danach ging die junge Emmi von der Schule ab. Wirtschaftlich war es für ihre Familie schwierig geworden, zu teuer, sie weiter zur Schule gehen zu lassen. Und die junge Emmi wurde zu Hause gebraucht: sie pflegte ihre kranke Mutter. Schon damals, in jungen Jahren, hat sie gezeigt, dass sie für andere da war. Ihre Mutter war übrigens Schleswig-Holsteinerin - unser Glück, denn das war eine der Gründe, warum es Schwester Emmi später nach Trittau in Holstein verschlug. Überhaupt hat Ihre Mutter sie, wie Schwester Emmi später erzählte, auch ansonsten stark geprägt.

1939 trat Emmi Karoline im Städtischen Krankenhaus in Aachen eine Ausbildung zur Krankenpflegerin an. Ihr Examen bestand sie - wie kann es anders sein - mit der Note "sehr gut". Über kurze Stationen in Nusse und Groß-Grönau kam sie dann schließlich Trittau. Am 30. Juni 1941 übernahm sie die hiesige Schwesternstation in der Schulstraße. Heute ist dort einer unserer gemeindlichen Kindergärten untergebracht.

Der Anfang hier in Trittau war nicht leicht für Schwester Emmi. Dabei gab es eine ganz praktische Hürde, wie sie selbst berichtete: "Aber ich musste ja auch erst einmal die Sprache lernen. Die sprachen ja kein Deutsch, und Englisch war das auch nicht. Das war ein Gemisch: plattdeutsch."

Damals war Kriegszeit, und die Trittauer Ärzte waren eingezogen. Nur einer war noch hier: der legendäre Dr. Wörpel, der sie unter seine Fittiche nahm. Angestellt war Schwester Emmi anfangs für das ganze Amt Trittau. Die Kranken besuchte sie meistens mit dem Fahrrad - von Köthel bis Rausdorf. Bis sie 1942 ein Motorrad bekam. Für viel Aufsehen sorgte damals ihr flotter Motorradanzug: "Oh Gott, jetzt geiht uns de Schwester auch schon inne Büx." In dieser Zeit sprang Emmi auch immer dann ein, wenn der Arzt nicht konnte.

Nach dem Krieg konnte sich Emmi dann als Gemeindeschwester auf ein Wirken nur in der Gemeinde Trittau beschränken. Sie tat dies mit nicht minder großem Einsatz. Ihr Credo stammte dabei von ihrer Mutter, die ihr mit auf den Weg gab: "Wenn Du Schwester werden willst, tue es bitte ganz, denke immer, dass es sich um Menschenleben handelt." Und genau das hat Schwester Emmi beherzigt. Neben der Krankenpflege hat sie vor allem immer den Menschen gesehen. Sie war über das Medizinische hinaus für die Menschen da. Sie hat den Menschen Mut gemacht und versucht, Ihnen Freude zu bereiten. Geholfen hat sie, wo sie konnte - und wenn es auf der Straße war. Viele Trittauer erinnern sich noch an die Geschichte einer Frau, deren Arm Schwester Emmi bei einem zufälligen Treffen unter freiem Himmel wieder eingerenkt hat. "Vielen Dank, dass Sie mich auf der Straße repariert haben", hat die Dame gesagt, als Schwester Emmi sie wieder traf.

So war Schwester Emmi: unkonventionell, geradeheraus und den Menschen zugewandt.

Am 30.6.1978 wurde Gemeindeschwester Emmi pensioniert. Sie blieb uns Trittauer danach zum Glück noch lange Jahre erhalten. Jahre, die sie in ihrer Wohnung in der Ferdinandshöhe lebte und nicht minder für andere da und aktiv war.
Ich erinnere nur an die Zeit vor knapp 10 Jahren, als diskutiert wurde, unser Freibad zu schließen. Flugs hatte Schwester Emmi eine Unterschriftenliste zusammengetragen und als Ausdruck des Protests an Bürgermeister Nussel übergeben. "Das geht nicht! Wir brauchen unser Schwimmbad. Das ist Gesundheitsvorsorge", sagte sie resolut.

Schwester Emmi verstarb im stolzen Alter von 89 Jahren am 28.3.2006 in Trittau. Bis zuletzt war sie für ihre Trittauerinnen und Trittauer aktiv.

Jetzt soll es aber auch der Worte genug sein. Ich bin mir sicher, dass Schwester Emmi sich sehr darüber gefreut hätte, dass wir heute eine Straße nach ihr benennen. Aber in der ihr typischen Art hätte sie schon lange demonstrativ auf die Uhr geschaut und mich gemahnt, es nun doch zu lassen, damit es nicht in, wie sie zu sagen pflegte, "Angeberei" ausarte.

Der folgende Ausspruch, den sie über sich selbst tätigte, lässt noch einmal die ganze Persönlichkeit deutlich werden, die sie war.
"Ich habe nicht mehr und nicht weniger geleistet, als alle anderen Gemeindeschwestern auch. In erster Linie war der Mensch gefragt."

So war sie. Schwester Emmi zeigte Einsatz für andere, und sie blieb dabei bescheiden. Sie sah immer den Menschen und das Menschliche, und stellte beides in den Mittelpunkt ihres Handels. Das machte sie selbst zu dem großartigen Menschen, der sie war - und zu einem Vorbild.

Mit der Benennung dieser Straße gibt die Gemeinde Trittau ein wenig von dem zurück, was Emilie Stephani den Trittauern jahrzehntelang gegeben hat. Und vor allem möchten wir, die Bürgerinnen und Bürger Trittaus, damit jemanden würdigen und ehren, der ein Stück Trittau und ein wundervoller Mensch war: Schwester Emmi!

Autor:
Oliver Mesch