Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


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Stormarnweg 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Stormarnweg

Wer in unsere Gemeinde hineinfährt, der liest: "Trittau. Kreis Stormarn". Das ist nichts Außergewöhnliches. Doch wer als Ortsunkundiger nun den Stormarnweg sucht, wird den Tag preisen, an dem er beschloß, sich ein Navi zuzulegen. Stormarnweg - allein die Bezeichnung stimmt schon mißtrauisch. Von Straße ist nicht die Rede. Ein Weg eben, mehr nicht.

Aber wird man ihn finden?

Doch keine Angst. Der Weg ist asphaltiert und die Straße ansprechend, wie es sich für eine kleine, aber feine Wohnstraße gehört. Der Name hingegen hat es in sich. Stormarn - hier kommt Größe ins Spiel. Hier läßt sich historisch ein Faß aufmachen, und schnell wird man feststellen, daß eine Straße eigentlich gar nicht groß und lang genug sein kann, um der historischen Bedeutung des Namens "Stormarn" gerecht zu werden. Wer das überprüfen möchte, kann sich ja Google anvertrauen. Fast 1,5 Millionen Einträge gibt es zu "Stormarn" [Stand, 10.5.2008]. Wenn das nichts ist!

Aber was ist Stormarn?
Fangen wir ganz bescheiden an. Der Stormarnweg in Trittau (Letzteres muß man betonen, denn den "Stormarnweg" gibt es auch als ausgewiesenen 90 km langen Wanderweg durchs Kreisgebiet!) führt also keineswegs nach Stormarn, sondern liegt mitten drin in Stormarn. Was so allerdings auch nicht richtig ist: Mitten drin liegen Hamburg und die Alster. Trittau und die Bille bilden bereits die östliche Grenze. Im Mittelalter war so etwas von Bedeutung. Da lebten die slawischen Wenden östlich der Bille, während die germanisch-sächsischen Stämme westlich dieser bedeutsamen Flußgrenze siedelten. Nördlich und südlich der Elbe lebten also die Sachsen. Der Name Niedersachsen zeugt noch heute davon. Und gedanklich ist der Weg nicht weit nach Verden an der Aller, wo Karl der Große angeblich tausende von Sachsen köpfen ließ, um sie zu guten Christenmenschen zu machen. Wer's historisch nicht so brutal liebt, denkt vielleicht lieber an die Angeln und Sachsen, die drei Jahrhunderte zuvor nach England übersetzten, um dort Geschichte, wenn nicht Weltgeschichte zu schreiben.

Langer Rede kurzer Sinn: Eigentlich müßte das Gebiet nördlich der Elbe "Obersachsen" oder ähnlich heißen, denn hier lebten die Dithmarsen, Holsten und Sturmarii, drei sächsische Unterstämme. Auch der Sachsenwald verweist von seinem Namen her auf das alte Siedlungsgebiet. Doch bringen Sie das mal einem Besucher aus Dresden, Leipzig oder Zwickau bei!
Die Sturmarii jedenfalls lebten und wirkten im Gau Stormarn, der grob gerechnet von den Flüssen Elbe, Stör, Trave und Bille umschlossen wurde. Daraus wurde die spätere Landschaftsbezeichnung Stormarn, die man - mit Hamburg als Dreh- und Angelpunkt - heute noch im Atlas findet. Dann gab es einige Jahrhunderte lang die drei Stormarnschen Ämter Tremsbüttel, Trittau und Reinbek. Sie wurden nach dem Ende der dänischen Herrschaft in Schleswig-Holstein zur Keimzelle des Kreises Stormarn, den die Preußen 1867 als neue Verwaltungseinheit formten.
Nun, mit Einzug des neuen Landesherrn, wurde überhaupt alles anders. Als Schleswig-Holstein preußische Provinz wird, entstehen zunächst 20 Stadt- und Landkreise, einer von ihnen der Kreis Stormarn. Hätten die Preußen es sich einfach gemacht, hätten sie vom Kreis Reinbek oder ab 1873 vom Kreis Wandsbek sprechen können, den ersten Orten der Landratsverwaltung. Aber man suchte bewußt nach historischen Bezügen, und die lieferten die besagten altstormarnschen Ämter, wobei nicht vergessen werden sollte, daß das Amt Trittau in dänischer Zeit fast 30 Dörfer umfaßte und mit seinen gut 190 qkm schon große Teile des späteren Kreises Stormarn abdeckte.

Heute (Stand 2009) hat der Kreis Stormarn ca. 226.000 Einwohner, ist 766 qkm groß und besteht aus 55 Gemeinden. Sitz der Kreisverwaltung ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges Bad Oldesloe.

Autor:
Hans-Jürgen Perrey