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Gemeindestraße
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Theodor-Steltzer-Straße

Sind Sie auch der Meinung, daß die Politikerinnen und Politiker tun und lassen, was sie wollen, ohne uns dabei im Blick zu haben? Daß es denen ja doch nur um ihre Diäten oder persönlichen Vorteile geht? Daß stets die Macht im Vordergrund steht, aber selten das Wohl dieser Welt?
Wenn Sie das so sehen, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die schlechte zuerst: Die Menschen sind so, wie sie/Sie sind und werden sich bis zum Jüngsten Gericht wohl kaum ändern. Seit der Antike gibt es Klagen und Gejammer über die Leute, die über unsere Geschicke entscheiden. Und wenn Sie es besser wissen und können, dann engagieren Sie sich doch in der Politik, in der letztlich der Grundsatz gilt: Jedes Volk bekommt die Politiker, die es verdient.

Doch zur guten Nachricht. Es gibt gottlob auch noch andere Politiker: großartige Menschen, Vorbilder, Persönlichkeiten, die aus einer wahrhaftigen Humanität heraus entscheiden und handeln, die immer den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen und sogar bereit sind, ihr Leben für ihre Überzeugungen zu opfern.

Theodor Steltzer, 1885 in Trittau geboren, war ein solcher Mensch. Wir können stolz auf ihn sein, sollten sein Erbe pflegen und dafür sorgen, daß er noch bekannter wird. Denn daß ihn noch viel zu wenige kennen, liegt eben auch daran, daß er sich nie nach vorn drängte, es ihm nicht um Ämter, Posten und schon gar nicht um Macht ging.
Steltzer kam im alten Trittauer Amtsgericht zur Welt, wo sein Vater als Richter tätig war. Nach dem Abitur in Göttingen und dem Studium der Staatswissenschaften in München entschloß er sich 1909 endgültig für die militärische Laufbahn. Im Ersten Weltkrieg war er als Offizier für Transportfragen zuständig und u.a. in der Obersten Heeresleitung tätig. In den Jahren der Weimarer Republik war er Landrat im preußischen Landkreis Rendsburg. 1933 wurde der parteilose, aber den Liberalen nahestehende Steltzer von den Nazis aus dem Amt gejagt. Während des "Dritten Reichs" gehörte er zu den politisch Verfolgten.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Experte für das Transportwesen sofort wieder eingezogen. Nach dem Polen- und Frankreichfeldzug wurde er ins besetzte Norwegen abkommandiert. Hier unterhielt er enge Kontakte zum norwegischen Widerstand, rettete zahlreichen Juden das Leben und schützte u.a. viele norwegische Studenten vor der Verhaftung durch Gestapo und SD. In Norwegen hat sein Name bis heute einen guten Klang. Anfang 1951 wurde Steltzer als erster Deutscher nach 1945 von König Hakon VII. empfangen.

Steltzer ist aber vor allem deshalb zu einer historischen Persönlichkeit geworden, weil er dem Kreisauer Kreis angehörte, jener Widerstandsgruppe um Helmuth James von Moltke. Die "Kreisauer" sind deshalb wichtig, weil sie über das "andere Deutschland" nachgedacht haben, ein Deutschland nach Hitler, das seinen Platz in einem friedlichen Europa wiederfinden und in dem die Würde des Menschen zum absoluten Maßstab aller Dinge werden sollte. Wie viele andere seiner Mitstreiter wurde auch Steltzer vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Und wie durch ein Wunder überlebte er.
Im besetzten Berlin wurde er zum Mitbegründer der CDU. Als er in seine alte Heimat zurückkehrte, machte ihn die britische Besatzungsmacht zum Oberpräsidenten des rechtlich noch nicht existierenden Landes Schleswig-Holstein. Mit dessen Gründung amtierte Steltzer bis 1947 als erster Ministerpräsident. Als Widersacher Adenauers war an eine Karriere innerhalb der CDU kaum zu denken. Stattdessen wirkte Steltzer nach 1949 in vielen deutschen und internationalen Organisationen an führender Stelle mit. Er blieb ein Querdenker. Als er Mitte der 60er Jahre die Anerkennung der DDR und eine aktive Ostpolitik forderte, wurde ihm dies im konservativen Lager verübelt. Aber so ist das mit selbständig denkenden Politikerinnen und Politikern. Sie haben es nicht einfach, und selten gibt man ihnen die Chance, in der ersten Reihe zu stehen, weil wir, die Bürgerinnen und Bürger, uns nur allzu leicht verwählen.

P.S.: Das bald erscheinende Buch "Die Trittauer Sieben. Bedeutende Persönlichkeiten in und aus unserem Ort" wird ein umfangreiches biographisches Porträt Theodor Steltzers enthalten.

Autor:
Hans-Jürgen Perrey