Theodor Storm

Fakten

Gemeindestraße
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Theodor-Storm-Straße 2009
Foto: Bruno Scharnberg

Theodor-Storm-Straße

"Knecht Ruprecht" - ob wohl immer noch beinahe jedes Kind in deutschen Familien dieses Weihnachtsgedicht kennt? Dieses Gedicht, in dem am Schluss nach dem guten oder dem bösen Kind gefragt wird und in dem es von der Antwort abhängt, wie die Belohnung ausfällt, ob man Geschenke bekommt oder die Rute fühlt?

Es gibt Bilder des großen norddeutschen Dichters Theodor Storm, in denen er mit seinem imposanten weißen Haupthaar und Bart durchaus den Weihnachtsmann hätte spielen können, aber gewiss nur den gütigen, Gaben verteilenden. Diese Bilder zeigen ihn gegen Ende seines bewegten Lebens, das trotz unterschiedlicher äußerer Einflüsse auf einer geraden Bahn verlaufen ist. Er war eben ein echter Schleswig-Holsteiner.
Theodor Storm wird 1817 als Sohn eines Rechtsanwalts in Husum geboren, der "Grauen Stadt am Meer", wie der Titel eines seiner bekanntesten Gedichte lautet. Dort besucht er die Gelehrtenschule, ein Gymnasium, dessen Standard ihm (oder seinem Vater?) jedoch zu dürftig erscheint, denn er hängt freiwillig (?) noch zwei Jahre im berühmten Gymnasium der alten Hansestadt Lübeck an seine Schulzeit dran.
Dort kommt er zum ersten Mal mit Gleichaltrigen zusammen, die sich intensiv mit Literatur befassen. Er selbst hat schon früh mit gelungenen Versen die in ihm schlummernde dichterische Begabung gezeigt, die jetzt einen guten Nährboden findet. Nur sein Vater spricht mit Bezug auf jegliche literarische Betätigung von "dumm Tüch", schickt seinen Sohn, der eigentlich der Medizin zuneigt, zum Jurastudium auf die Universität zuerst in Kiel, dann in Berlin, schließlich wieder in Kiel, wo er 1843 sein Staatsexamen besteht. Jetzt ist er Jurist wie sein Vater, und die vorgeschriebene Laufbahn kann beginnen.

Theodor Storm entspricht dem väterlichen Wunsche durchaus nicht widerwillig. Das würde nicht zu seinem geraden, traditionsbewussten Wesen passen. Der Beruf ist eine Sache, seine Liebe zur Dichtung eine andere. Diese Leidenschaft fachen nicht zuletzt seine engsten Freunde aus jener Zeit an, zu denen Theodor Mommsen gehört, der 1902 für seine "Römische Geschichte" den Literatur-Nobelpreis bekommen wird. Mit ihnen liest Storm die Dichter der deutschen Romantik. Besonders Mörike beeinflusst ihn, und es verwundert nicht, dass er sich in diesen Jahren zum ersten Mal verliebt. Auch die innigsten seiner Gedichte entstehen in dieser Zeit bis hin zum Ende seines ersten Berufsabschnitts.
1843 lässt Theodor Storm sich in Husum als Anwalt nieder. Er heiratet 1846 seine Cousine Konstanze, mit der er sieben Kinder haben wird, und entwickelt in den folgenden Jahren seine lyrische Dichtung weiter. Es folgt die Zeit der revolutionären Wirren, der Aufstand der Schleswig-Holsteiner gegen die dänische Krone. Storm vertritt die Ansprüche deutscher Klienten und verliert seine juristische Zulassung.
1853 wird er Assessor am Kreisgericht Potsdam. Literarische Kontakte, zum Beispiel zu Theodor Fontane, trösten ihn nicht über die berufliche Enge in Preußen hinweg, verglichen mit seiner selbständigen Anwaltstätigkeit in Husum, und so ist er froh, drei Jahre später als Kreisrichter nach Heiligenstadt auf dem thüringischen Eichsfeld wechseln zu dürfen. Hier bleibt ihm genügend Zeit zum Lesen, Dichten, Wandern, und hier geht sein literarisches Schaffen langsam von der Lyrik zur Novelle über. 1864 nach dem Ende der dänischen Herrschaft kehrt er in das nunmehr preußische Schleswig-Holstein als Landvogt zurück. 1874 wird er Oberamtsrichter in seiner Heimatstadt Husum, wo seine berufliche Laufbahn endet. Er stirbt 1888 in Hademarschen.

Theodor Storms Gedichte handeln oft von Weihnachten und seiner Hinneigung zu geliebten Menschen, aber noch wichtiger scheint ihm seine schleswig-holsteinische Heimat zu sein. Er besingt die Küste und das Meer, den Deich und die grüne Marsch, im Hinterland die einsame Heide. Man sieht in seinen Versen Blumen blühen, hört Bienen summen und Möwen schreien. In seinem Gedicht "Für meine Söhne" mahnt er:

Was du immer kannst, zu werden,
Arbeit scheue nicht und Wachen,
Aber hüte deine Seele
Vor dem Karrieremachen.

Könnte nicht so manchem jungen Menschen dieses Wort heute beim Vorwärtsstreben ein guter Wegweiser sein?

In seinen späteren Lebensjahren schreibt Storm kaum noch Gedichte. Er konzentriert sich auf die Novelle. Eine seiner ersten, "Immensee", hat ihn mit ihrem zu Herzen gehenden elegischen Ton schon 1849 berühmt gemacht. Es folgen viele andere, von denen die auch gesellschaftskritisch zu lesende Geschichte "Pole Poppenspäler" und schließlich als Höhepunkt "Der Schimmelreiter" seine Bekanntheit noch einmal steigern.

In seinem Todesjahr 1888 erscheint diese letzte Novelle. Sie verbindet eine fesselnde, realistische Handlung mit unheimlichen Elementen und zeigt noch einmal Storms Gabe, Charaktere überzeugend darzustellen, vor allem aber auch seine enge Bindung an die schleswig-holsteinische Heimat.
Nicht vergessen darf man Storms Märchen wie "Die Regentrude" und "Der kleine Häwelmann". Eltern, die abends eine kleine Geschichte suchen, um sie ihrem Kind am Bett vorzulesen, sollten zum "Häwelmann" greifen.

Die Novellen sind Theodor Storms Hauptwerk. Man kann sie immer wieder mit Gewinn lesen. Man sollte es tun.

Autor:
Hermann Drews