Johann Daniel von Jossau

Fakten

Gemeindestraße
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von Juessa Gedenkstein
Von-Jüssa-Weg
Foto: Stefan Grau

Von-Jüssa-Weg

Johann Daniel von Jossau ist vermutlich 1785 geboren und war Revierförster in Köthel. Erst 1880, als der Enkel Johann Heinrich von Jossau heiratet, vermerkt der Standesbeamte in der Urkunde "rectius Jüssa". Seitdem heißt der Familienname, aus welchen Gründen auch immer, Jüssa.

1856 trifft ein Kurier aus Kopenhagen auf dem Schloß Reinbek ein, um dem dortigen Amtmann eine königliche Order zu überbringen: Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Dänemarkt kommt nach Reinbek, um in der Hahnheide bei Trittau einen kapitalen Hirsch, einen Achtzehnender, zu schießen. Der Oberförster König aus Trittau berät sich mit seinen Revierförstern, wie man den Hirsch am sichersten dem Kronprinzen vor das Gewehr bringen kann. Nach etlichen Vorschlägen ergreift der alte Johann Daniel von Jossau aus Köthel ganz gelassen das Wort:

Der Hirsch steht in meinem Jagdbezirk und hat auch seinen Einstand in meinem Jagen. Also habe ich den Hirsch heranzudrücken. Und das mache ich ganz allein, trotz meines Alters. Der Kronprinz muss um 1/2 2 Uhr morgens mit dem Jagdwagen am Kreuzweg meines Jagens sein. Wir haben dann noch eine halbe Stunde bis zum Wechsel zu gehen.

Als der Oberförster dem Kronprinzen die verschiedenen Vorschläge vorträgt, geht der Königssohn auf den Vorschlag des alten von Jossau ein. Am übernächsten Morgen um 1 Uhr ist der Jagdwagen mit dem Kronprinzen am bezeichneten Kreuzweg. Der Kronprinz und der alte Waidmann wandern allein durch einen Pirschgang zum Einstand des Hirsches. Als die zwei in der Dunkelheit bei einer Doppelbuche am Rande des Hochwalds angelangt sind, macht von Jossau Halt und sagt im Flüsterton zum Kronprinzen:

Hier bei der Doppelbuche können Königliche Hoheit sich anstellen. Der Hirsch kommt dort links auf 15 Schritte aus seinem Wechsel langsam vorbei.

Darauf entfernt sich der alte Jäger lautlos und läßt den königlichen Gast allein in der Dämmerung. Lange muss der Kronprinz hier schussbereit aushalten, aber als dann die Sonne aufgeht, kommt der Hirsch langsam bis auf 20 Schritte heran. In diesem Augenblick erreicht den Hirsch das todbringende Geschoß so sicher, dass er im Feuer zusammenbricht. Bald darauf kommt auch der alte Waidmann zur Doppelbuche, benetzt einen Eichenzweig mit dem Schweiß des Hirsches und steckt ihn dem Kronprinzen an den Jagdhut. Da fragt ihn der Kronprinz:

Sagt doch, Jossau, wie brachtet Ihr es fertig, dass der Hirsch so sicher hier vor mir einwechselte?

Da erwiderte von Jossau die bedeutungsvollen Worte im geliebten Plattdeutsch:

Königliche Hoheit, ick släug eenen Zirkel und verblenn em dat Verhältnis"

(Das ist zweifellos eine alte Jägerredeart und will sagen, dass der geübte Jäger dem erspähten Wild von der Seite naht, die dem Wind entgegen ist.) Als man am nächsten Tage auf Schloß Reinbek fröhlich an der Tafel sitzt, wird der alte von Jossau immer wieder zitiert. Da ordnet der Kronprinz an, dass der kluge Waidmann von einem Künstler gemalt wird. Als um 1870 eine Lithographie von dem Bild angefertigt wurde, erwarben alle Gastwirtschaften in Stormarn und Lauenburg das Bild, um es neben das Bild des großen Wildschützen Eidig zu hängen. Die Oberförsterei Trittau ließ bei der Doppelbuche, die heute leider nicht mehr steht, eine Marmortafel anbringen mit den erklärenden Worten von Jossaus.

In seiner Jugend war Johann Daniel allerdings kein Freund der Jäger. Sein Talent hatte er von seinem Ahnherr geerbt, der Oberjäger an einem fürstlichen Hof gewesen sein soll. Er nutzte es anfangs im gegnerischen Lager und stieß als Freibeuter manchen Bock um. Da machte man ihn zum Revierjäger und hatte fortan den pflichttreuesten Mann. Eines Abends, so erzählt man, kehrte er nicht wieder heim. Am anderen Morgen fanden seine Söhne ihn festgebunden an einer Buche. Seine ehemaligen Wilddiebsgefährten hatten geglaubt, er würde ihnen gegenüber beide Augen zudrücken. Da sie sich aber getäuscht sahen, machten sie ihn auf diese Weise unschädlich. Seinem Gelöbnis getreu, hat er ihre Namen nicht verraten. Man munkelte, Eidig soll unter ihnen gewesen sein.

Nachdem der Eidigweg schon vorher seinen Namen erhalten hatte, war es eigentlich nur logisch, dass die neue Straße, die schräg gegenüber dem Eidigweg in die Straße "Im Raum" mündet, den Namen "von-Jüssa-Weg" erhielt.

Autor:
Bruno Scharnberg