Hier können Sie sich den gesamten Beitrag (7 Seiten) als pdf-Dokument herunterladen.

Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


Könnten Sie noch etwas zur "Vorburgstraße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.

Textilhaus Pöls Ahrens
Vorburgstraße 19
Foto: Amtsarchiv
Kaufmann Heinrich Dieckvoss
Poststrasse 34
Foto: Amtsarchiv
Gasthaus Lauenburger Hof
Vorburgstraße
Foto: Amtsarchiv

Die Vorburgstraße in Trittau in den 1930er Jahren

Verfasst von Frau Lina Beckmann, geb. Brandt
Transkribiert von Hans-Joachim von Hartz (2000)

Als ich zum ersten Mal über meinen jetzigen Hof (Vorburgstraße 16) ging und meine Nachbarn begrüßte, wusste ich, hier lebt ein uriges Volk; es waren zum größten Teil ältere Männer, die zu allen Späßen aufgelegt waren.

Am Anfang der Straße war die Krämerei Mewes-Lanquillon (Jetzt die Tankstelle Beckmann). Der Garten erstreckte sich bis zum Grundstück von Ahrens. In dem Garten stand ein kleines, uraltes Haus, in dem von Mai bis September zwei Vogelkundler wohnten. Die Vorburger sagten: "Dat sünd Tuchvögels, de wüllt nix mit uns tau daun hebben!" Beide trugen, wie alle Fahrensmänner, Kap Hornier-Mützen. Doch bald sollte ich den Grund erfahren. Beide waren Antialkoholiker (Angeblich!).

Als nächstes das Kaufhaus Ahrens (Heute Riegel); es war den Anliegern ein Dorn im Auge. "Wat hett de Bestmann sick dorbi dacht, uns dat Hus vör de Snut tau setten? Keen Hus, keen Snut, na Schiffbek an de Bill, dor hört dat henn".

Neben Ahrens stand ein kleines Haus, darin wohnte Herr Söder und zur Miete Herr Dorjahn.

Den Schluss der rechten Seite machte das Haus Dickvoss. Vorn eine kleine Veranda, dann kam man in den Laden: Kaffee, Konfitüren, Bonbons. Er wog sehr genau, sogar eine Kaffeebohne biss er durch, um das richtige Gewicht zu halten, sagten die Vorburger.

Zurück gehen wir nun auf die gegenüber liegende Seite der Vorburgstraße. Das Schuhhaus Behsen und das daneben sollten neu gebaut werden (Nr.2 + 4).

Dann das Haus von Ernst Kröger. Dort war endlich mal Kinderlachen. Er selbst hatte nur eine Tochter, aber die Mieter hatten viele Kinder und es ging dort alles friedlich zu.

Dann die Gastwirtschaft. Diese hieß bei den Vorburgern "Gastwirtschaft zur armen Vorburg". Die Wirtsleute Karl und Emmy Stapelfeldt hatten die Wirtschaft von Berodt übernommen. Er wurde auch "Patzig" Berodt genannt. Er konnte sich nämlich immer dann ärgern, wenn er mal die Gaststube verließ und die Gäste die von ihm gemachten Striche auf einer Schiefertafel über den bisherigen Verzehr - wegwischten - aber zu beider Ehre sei gesagt, keiner hat ihn je betrogen. Karl und Emmy Stapelfeldt waren solide und reelle Geschäftsleute, sie sind uns unvergessen. Auch ihre 4 Kinder sind uns noch immer verbunden.

Nebenan das Haus von Brause-Wilhelm. Trotz Alter waren beide noch in ihrer Firma tätig und fanden nicht allzu viel Zeit, müßig auf der Bank zu sitzen.

Das Haus der von Hartz stand auf einem Hügel. Im Winter rodelten die Kinder bis über die Straße auf das Haus von "Hein Fienbrot" zu. Dort an der Seite wohnten Frau und Herr Mager mit Tochter.

Jetzt unser Haus:
Drei Jahre mussten wir warten, um in unserem Haus eine Wohnung zu beziehen. Hier wohnte der Mieter Knoppe für 11 Mark Miete monatlich. Er hatte eine Küche, Flur, Stube, Schlafzimmer, einen großen Garten mit 9 Obstbäumen, Stall und Boden. Diese Miete war vor dem 1. Weltkrieg festgesetzt worden, jetzt schrieben wir das Jahr 1929. Eine Frau Petersen, die Eigentümerin des Hauses, war nach Amerika zu ihren Kindern ausgewandert. Sie verkaufte das Haus an meinen Schwiegervater durch Justizrat Wiggert, der hier auch so billig wohnte. Die Miete für Knoppe hatten wir aber inzwischen auf 25 Mark erhöht. Mehr

Eines Tages kam der Gendarm per Rad und stieg bei uns ab, weil Herr Fritz Haenning sein Pferd bei uns am Laternenpfahl angebunden hatte, um zu klönen. Der Gendarm sagte: "Herr Haenning, wiederholte Male sah ich, dass sie ihr Pferd auf dem Gehweg gehen lassen und sie gehen auf der Straße. Sowas ist nicht gestattet!!" - "Sehen sie denn gar nicht, dass mein Pferd eine Dame ist. Bei mir haben Damen immer Vortritt und nun petten sie man weiter. Ick gah wieder up de Strat, dormit basta!" erwiderte Fritz Haenning. Als der Gendarm weiterfuhr sagte Fritz Haenning: "De kann mi gornix anladen. Ick heff je ein Attest von Tierarzt Bols. Mien Perd dörf nich öber Kopp-Plaster gahn". Schadenfrohes Gelächter. "Dat hest em gaut gäben".

Alle vier Wochen kam durch die Vorburgstraße ein Mann mit seinem Nudelkasten Mehr

Viele Jahrzehnte ist es mir vergönnt gewesen, in der Vorburgstraße zu wohnen. Nun fehlen schon 6 alte Vorburghäuser, sie wurden abgerissen, um neuen Bauvorhaben zu weichen.

Söbentig Johr, dat is een lange Tied, wenn een se vör sick liggen süht,
söbentig Johr, dat is ne kotte Spann, wenn een se süht vun achtern an.

PS: Heute habe ich diese Geschichte der Vorburgstraße abgeschrieben. Mir stand ein Manuskript zur Verfügung, welches Frau Lina Beckmann verfasst hat. Ich habe keine Veränderungen vorgenommen, mit Ausnahme zweier Zusätze, welche meiner Meinung nach fehlten. Mein Vater hat sie mir erzählt. Er wurde 1894 in der Vorburgstraße geboren.

Hans-Joachim von Hartz,
Trittau, im März 2000

Autor:
Hans-Joachim
von Hartz