Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:


Könnten Sie noch etwas zur "Waldstraße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.

Waldstraße
Foto: Stefan Grau
Waldstraße nähe Auberghof
Hirschbrücke um 1916

Waldstraße

Kaum eine Trittauer Straße ist länger, kaum eine hat so wenig Anwohner und kaum eine hat einen so schönen Baumbestand. Die unbefestigte Waldstraße läuft von der Hirschbrücke östlich parallel der Bahnhofstraße nach Norden, wo sie an der Grönwohlder Straße endet.
Sie trägt ihren Namen zu Recht. Wer hier spazieren geht, glaubt, durch den Wald zu gehen, wären da nicht die Durchblicke auf einige schöne und ganz besondere Häuser.

Begleiten Sie mich auf dem Weg durch die Waldstraße: Wir starten an der Hirschbrücke und bewundern die alten Eichen am rechten Straßenrand und den Blick auf das Auetal. Vor 50 Jahren wurde hier noch Heu gemacht, jetzt aber ist alles der Natur zurückgegeben und ein schönes Biotop aus Erlen, Weiden und viel Feuchtigkeit ist entstanden.
Nach einigen Schritten unter den Bäumen öffnet sich nach links der freie Blick auf ein architektonisches Kleinod, das Haus von Frau Charlotte Specht. Frau Specht, geboren 1910, ist 98 Jahre alt. Sie ist die Enkeltochter des legendären Dorflehrers Johannes Schmidt (1831-1905), dessen lesenswerte Lebenserinnerungen 1996 im Medien-Verlag Schubert, Hamburg, veröffentlicht wurden und deren besonderen literarischen Rang Dr. Hans-Jürgen Perrey in seinem Buch "Mein Stormarn" (2003, S.145 ff.) beschrieben hat. Die Aufzeichnungen dieses Schulmeisters, der 37 Jahre lang Lehrer in Sprenge war, wurden dank Frau Specht und dank des Trittauers Wilhelm Huth im Nachlass von Johannes Schmidt in diesem Haus an der Waldstraße entdeckt.
Das Haus wurde 1912 von einem Onkel von Frau Specht für seine Mutter, die Witwe von Johannes Schmidt, erbaut und gilt als bedeutendes Beispiel der modernen Landhaus- und Gartenstadtarchitektur vor dem Ersten Weltkrieg. Diese Architekturbewegung wollte, wie der Jugendstil auch, vor allem den architektonischen Historismus überwinden und zu einfachen, klaren, handwerksorientierten und preiswerten Linien zurückfinden. Das Haus steht seit 2007 unter Denkmalschutz.
Wir setzen unseren Weg fort. Die Waldstraße steigt jetzt an und entfernt sich vom Auetal. Wir sehen rechts mehrere Gebäude des von Rantzau'schen Besitzes und schließlich, hinter einer Zufahrtsallee versteckt, das schöne Gutshaus dieser Hamburger Reederfamilie, das man eher ein Schlösschen nennen könnte. Links, hinter den Bäumen, die neuen, gelungenen Wohnhäuser der Bahnhofstwiete.
Nach einem Nadelholzwäldchen zur rechten Seite kommen wir zur Abzweigung des Feldweges "Am Wehl", und der Blick geht über große landwirtschaftliche Flächen, begrenzt von Knicks, die zu den wenigen in Trittau gehören, die noch unverändert an gleicher Stelle sind, wie sie damals von der dänischen Regierung durch die Verkoppelung im 18. Jahrhundert geschaffen wurden. Auch der Wehl selbst ist ein historischer Redder (Doppelknickweg), der auf der Verkoppelungskarte von Andreas Thießen 1772 genau so geplant worden ist, wie er heute besteht.

Wir gehen weiter nach Norden. Linker Hand erscheinen einige weniger schöne Gebäuderuinen, Überreste einer Gewerbestruktur, die mit den beiden Trittauer Eisenbahnanschlüssen (Strecke Schwarzenbek-Oldesloe 1887; Südstormarnsche Kreisbahn Trittau-Tiefstaak 1907) entstand und mit ihrem Ende wieder unterging. Hier wirtschaftete die Getreide- und Futtermittel-Firma Rautenberg mit Gleisanschluss direkt an den beiden Bahnsträngen, bevor diese etwas weiter nördlich auseinandergingen.
Von der Vergangenheit wenden wir uns wieder unserer Zeit zu und genießen den Blick nach rechts auf die weiten Flächen des Trittauer Landwirtes Ulf Zingelmann und seinen hochmodernen neuen Kuhstall. Nur noch wenige Schritte und wir stoßen auf die Grönwohlder Straße. Hier können wir rechts nach Grönwohld gelangen oder links ins Trittauer Gewerbegebiet oder auch geradeaus mit dem Fahrrad auf der wunderschönen Trasse der alten Eisenbahn weiterkommen.

Autor:
Ralph Droege(†)